schrieb am 19. Januar 2012 zuSocial Networks, Tools
Was der Name verspricht. Ein Review von Wunderkit.

Was ist Wunderkit?
Wunderkit ist der sich momentan in der Beta-Phase befindliche jüngste Wurf des Berliner Startups 6Wunderkinder, das mit der einfachen wie sehr schicken ToDo-Listen App Wunderlist im letzten Jahr einen absoluten Volltreffer gelandet hat, der inzwischen von 1,6 Millionen Menschen genutzt wird. Dieses Mal sollte es ein bisschen mehr sein als eine App mit einer simplen Kernfunktion: Wunderkit ist ein browserbasiertes (Mobile Apps sollen folgen) Produktivitätstool/Netzwerk für Kollaboration geworden, ein “Facebook für Produktivität”, wie Netzwertig schreibt.
Oberfläche und UI
Im Bereich Design und Usability macht den 6Wunderkindern kaum jemand was vor: Wunderkit sieht fantastisch aus und ist sehr intuitiv zu bedienen. Vor allem in den kleinen Details merkt man, dass sehr viel Mühe und Liebe in Wunderkit gesteckt wurde, denn auch wenn die Beta hier und dort noch ein paar Verbesserungen brauchen könnte und ab und zu Bugs auftauchen, wird sich jeder, der schon mal eine moderne iOS-App benutzt hat und grundsätzlich weiß, wie Social Networks gebaut sind, auf Anhieb zurechtfinden.
Kollaboration
Wie Wunderkit grundsätzlich funktioniert, erklärt das hauseigene Tutorial-Video:
Grundsätzlich splittet sich jeder Workspace in Wunderkit (d.h. ein Bereich für ein bestimmtes Projekt) in drei Abschnitte: Dashboard, Notes und Tasks. Die Tasks sind im Grunde die bereits bekannten Funktionen aus der ToDo-App Wunderlist: Man kann einzelne Tasks eintragen, diese auf bestimmte Tage terminieren, taggen und Personen zuweisen. Die einzelnen Tasks können nach Erstellung geliked und kommentiert werden. Notes ist der Bereich für längere Einträge, die ebenfalls mit Tags, Likes und Kommentaren bedacht werden können. Auf dem Dashboard wiederum laufen die verschiedenen Bereiche zusammen. Hier werden die neuesten Einträge und Aktionen des eigenen Workspaces in einem Stream zusammengestellt, zusätzlich bekommt man die Aktivitäten von Teammitgliedern und eine Liste der verbundenen Menschen.
Netzwerk- / Subscribefunktion
Jeder Workspace kann in Wunderkit auf “Public” gestellt werden und jedem Profil eines öffentlichen Workspace kann jeder Nutzer folgen. Es ist dem Follower eines Workspaces dann möglich, einzelne Statusupdates und öffentliche Items des Workspaces zu sehen, liken oder zu kommentieren, ähnlich wie es etwa bei Facebookpages von Unternehmen und Projekten der Fall ist. Natürlich können darüber Crowdsourcing-Aktionen gestartet werden, neue Mitarbeiter gefunden werden und direkte Projektupdates veröffentlicht werden, der konkrete Grund für die Macher, das Tool zu einem eigenständiges Social Network ausufern zu lassen (abgesehen davon, dass es sich gut als Alleinstellungsmerkmal verkaufen lässt), erschließt sich mir allerdings bislang nicht.
Fazit
Konzeptuell wirkt Wunderkit auf mich noch nicht ganz ausgereift – es ist eine Mischung aus Social Network und Kollaborationstool, die stellenweise ein bisschen verwirrend gestaltet ist, was die Abgrenzungen von Follower/Followings, Workspaces, Profilen und Teammitglieder angeht. Auch das Design spricht wohl nicht jedermann an, sondern ist klar auf die Zielgruppe der sehr webaffinen Menschen zugeschnitten. Ein weniger unruhiger Hintergrund zumindest in der direkten Postingumgebung und größere Schriften würden es jedenfalls deutlich aufgeräumter wirken lassen. Schließlich gibt es in Sachen Funktionen auch noch Verbesserungsbedarf: Außer Statusupdates, Notes und ToDo-Listen gibt es derzeit nicht viele Funktionen in Wunderkit, in der Hinsicht ist die Konkurrenz (etwa Flowr, Yammer oder Basecamp) um einiges voraus, etwa mit der Möglichkeit, auch Dateien im System zu hinterlegen.
Insgesamt ist Wunderkit ein hochwertiges und modernes Produkt, in das viele Ideen geflossen sind und das vor allem mit einer sehr ansprechenden Oberfläche glänzt. Es ist einfach und intuitiv zu bedienen und erinnert im Kern an die bekannten Kollaborationstools. Schwierig zu beurteilen sind die internen Networking-Funktionen. Natürlich hat es seinen Reiz, den einzelnen Projekten von Personen(gruppen) zu folgen, aber grundsätzlich wirkt das Feature auf mich etwas überambitioniert und gezwungen “social”. Ein weiteres Netzwerk neben Facebook, Twitter und Co. zu pflegen, spricht außerdem wohl nur eine bestimmte Gruppe von Nutzern an. Wer die Public-Funktion nicht benötigt, der ist auch aufgrund des Funktionsumfangs wohl derzeit bei anderen Anbietern besser aufgehoben. Dem riesigen Vorab-Hype um Wunderkit wird das Tool meiner Meinung nach momentan jedenfalls (noch) nicht gerecht.
Wer sich Wunderkit gerne selbst ansehen will, der hinterlässt bitte einen Kommentar unter diesem Artikel. Wir vergeben ein paar Invites unter den Kommentierenden (bitte korrekte Mail-Adresse mit angeben).




