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Sebastian Baumer schrieb am 19. Januar 2012 zuSocial Networks, Tools

Was der Name verspricht. Ein Review von Wunderkit.

Was ist Wunderkit?

Wunderkit ist der sich momentan in der Beta-Phase befindliche jüngste Wurf des Berliner Startups 6Wunderkinder, das mit der einfachen wie sehr schicken ToDo-Listen App Wunderlist im letzten Jahr einen absoluten Volltreffer gelandet hat, der inzwischen von 1,6 Millionen Menschen genutzt wird. Dieses Mal sollte es ein bisschen mehr sein als eine App mit einer simplen Kernfunktion: Wunderkit ist ein browserbasiertes (Mobile Apps sollen folgen) Produktivitätstool/Netzwerk für Kollaboration geworden, ein “Facebook für Produktivität”, wie Netzwertig schreibt.

Oberfläche und UI

Im Bereich Design und Usability macht den 6Wunderkindern kaum jemand was vor: Wunderkit sieht fantastisch aus und ist sehr intuitiv zu bedienen. Vor allem in den kleinen Details merkt man, dass sehr viel Mühe und Liebe in Wunderkit gesteckt wurde, denn auch wenn die Beta hier und dort noch ein paar Verbesserungen brauchen könnte und ab und zu Bugs auftauchen, wird sich jeder, der schon mal eine moderne iOS-App benutzt hat und grundsätzlich weiß, wie Social Networks gebaut sind, auf Anhieb zurechtfinden.

Kollaboration

Wie Wunderkit grundsätzlich funktioniert, erklärt das hauseigene Tutorial-Video:

Grundsätzlich splittet sich jeder Workspace in Wunderkit (d.h. ein Bereich für ein bestimmtes Projekt) in drei Abschnitte: Dashboard, Notes und Tasks. Die Tasks sind im Grunde die bereits bekannten Funktionen aus der ToDo-App Wunderlist: Man kann einzelne Tasks eintragen, diese auf bestimmte Tage terminieren, taggen und Personen zuweisen. Die einzelnen Tasks können nach Erstellung geliked und kommentiert werden. Notes ist der Bereich für längere Einträge, die ebenfalls mit Tags, Likes und Kommentaren bedacht werden können. Auf dem Dashboard wiederum laufen die verschiedenen Bereiche zusammen. Hier werden die neuesten Einträge und Aktionen des eigenen Workspaces in einem Stream zusammengestellt, zusätzlich bekommt man die Aktivitäten von Teammitgliedern und eine Liste der verbundenen Menschen.

Netzwerk- / Subscribefunktion

Jeder Workspace kann in Wunderkit auf “Public” gestellt werden und jedem Profil eines öffentlichen Workspace kann jeder Nutzer folgen. Es ist dem Follower eines Workspaces dann möglich, einzelne Statusupdates und öffentliche Items des Workspaces zu sehen, liken oder zu kommentieren, ähnlich wie es etwa bei Facebookpages von Unternehmen und Projekten der Fall ist. Natürlich können darüber Crowdsourcing-Aktionen gestartet werden, neue Mitarbeiter gefunden werden und direkte Projektupdates veröffentlicht werden, der konkrete Grund für die Macher, das Tool zu einem eigenständiges Social Network ausufern zu lassen (abgesehen davon, dass es sich gut als Alleinstellungsmerkmal verkaufen lässt), erschließt sich mir allerdings bislang nicht.

Fazit

Konzeptuell wirkt Wunderkit auf mich noch nicht ganz ausgereift – es ist eine Mischung aus Social Network und Kollaborationstool, die stellenweise ein bisschen verwirrend gestaltet ist, was die Abgrenzungen von Follower/Followings, Workspaces, Profilen und Teammitglieder angeht. Auch das Design spricht wohl nicht jedermann an, sondern ist klar auf die Zielgruppe der sehr webaffinen Menschen zugeschnitten. Ein weniger unruhiger Hintergrund zumindest in der direkten Postingumgebung und größere Schriften würden es jedenfalls deutlich aufgeräumter wirken lassen. Schließlich gibt es in Sachen Funktionen auch noch Verbesserungsbedarf: Außer Statusupdates, Notes und ToDo-Listen gibt es derzeit nicht viele Funktionen in Wunderkit, in der Hinsicht ist die Konkurrenz (etwa Flowr, Yammer oder Basecamp) um einiges voraus, etwa mit der Möglichkeit, auch Dateien im System zu hinterlegen.

Insgesamt ist Wunderkit ein hochwertiges und modernes Produkt, in das viele Ideen geflossen sind und das vor allem mit einer sehr ansprechenden Oberfläche glänzt. Es ist einfach und intuitiv zu bedienen und erinnert im Kern an die bekannten Kollaborationstools. Schwierig zu beurteilen sind die internen Networking-Funktionen. Natürlich hat es seinen Reiz, den einzelnen Projekten von Personen(gruppen) zu folgen, aber grundsätzlich wirkt das Feature auf mich etwas überambitioniert und gezwungen “social”. Ein weiteres Netzwerk neben Facebook, Twitter und Co. zu pflegen, spricht außerdem wohl nur eine bestimmte Gruppe von Nutzern an. Wer die Public-Funktion nicht benötigt, der ist auch aufgrund des Funktionsumfangs wohl derzeit bei anderen Anbietern besser aufgehoben. Dem riesigen Vorab-Hype um Wunderkit wird das Tool meiner Meinung nach momentan jedenfalls (noch) nicht gerecht.

Wer sich Wunderkit gerne selbst ansehen will, der hinterlässt bitte einen Kommentar unter diesem Artikel. Wir vergeben ein paar Invites unter den Kommentierenden (bitte korrekte Mail-Adresse mit angeben).

Sebastian Baumer schrieb am 7. November 2010 zuNews, Online Trends, Social Networks, Tools, User Generated Content

Das große Ganze sehen – Ein Blick auf das Aggregationstool Storify

Die Menge verschriftlichter Meinungen zu verschiedenen Diskursen im Netz nimmt permanent zu. Und sie wird zunehmend kleinteiliger, fragmentierter und unübersichtlicher. Hatten wir es bis vor ein paar Jahren neben den Online-Angeboten klassischer Medien noch mit einer relativ überschaubaren Zahl von einflussreichen Blogs zu tun, so ist heute zusätzlich eine riesige Menge von unter anderem Microbloggern, Posterous- und Tumblr-Accounts, Facebookpages und Web-Newsdiensten zu beobachten, auf denen Menschen ihre Meinungen publizieren. Ein Überblick über die wichtigsten Linien einer Diskussion, die sich selten auf einen einzigen Ort im Netz beschränkt, wird damit zunehmend schwerer.

Zwar bieten die großen Plattformen und Tools jeweils eigene Werkzeuge an, die Informationsmenge zu katalogisieren und zu verschlagworten – so existieren neben der klassischen Suchfunktion etwa Hashtags bei Twitter, Kategorien und Channels bei YouTube und Vimeo, Gruppen bei Facebook und die Blog- bzw. News-Suche bei Google – schwierig wird es aber dann, wenn der User sich ein Bild von einem Diskurs über die Grenzen eines einzelnen Social Media-Kanals hinaus machen will.

An dieser Stelle setzt Storify an, ein neues Aggregations-Tool (momentan ist die Nutzung der geschlossenen Beta nur per Invite möglich), das die Möglichkeit bietet, eine Sammlung von Meinungen zu einem Thema zu publizieren, die aus verschiedenen, eingebetteten Bausteinen besteht, welche wiederum per Suchfunktion aus Quellen im Netz zusammengetragen werden können. So erlaubt das Werkzeug, per Baukastenprinzip und mit eigenen Kommentaren angereichert, einzelne Meldungen und Artikel im Social Web zu einem größeren Bild an einem Ort zusammenzufügen. Die Elemente sind dabei auf ihren Ursprung verlinkt und können teilweise sogar (wie etwa Tweets) direkt aus Storify heraus auf der ursprünglichen Plattform beantwortet werden. Das Tool ist damit für Medienmacher und Autoren etwa das, was Flipboard für den Konsumenten ist: Eine Möglichkeit, über Plattformen hinweg Meinungen und Artikel in einem ansehnlichen Layout und an einem Ort zusammenzuführen, und zwar über Einbettung, nicht nur über Verlinkung.

Der klassische Einsatzzweck von Storify dürften Veranstaltungen sein, wie das Startup auch in seinem Demo-Video zeigt, das die grundlegenden Funktionalitäten vorführt:

Denkt man ein bisschen weiter, kommen sofort weitere Einsatzzwecke in den Sinn: Ein beliebiges Thema innerhalb der Blogosphäre könnte mit Storify genauso übersichtlich durch die verschiedenen Blogs verfolgt und aufbereitet werden wie die besten Blumenkübel-Tweets oder die schönsten Photos von verschiedenen Hostern zu einem bestimmten Thema. Schlussendlich kann man sogar versuchen, crossmedial Diskurse mittels relevanter, unterhaltsamer und kontroverser Meinungen nachzuzeichnen – was ich in einer Miniaturversion beim ersten Test des Tools hier zur der wiederaufkochenden Google Street View-Debatte versucht habe.

Ein solcher Storify-Artikel aus kleinteiligen Elementen und Links lässt sich im Anschluss, wenn gewünscht, auch direkt in einem Blog oder auf einer Webseite wieder einbetten und ist automatisch mit den entsprechenden Buttons und Tools zum Sharen versehen, optional können außerdem die Ursprungsautoren der eingebetteten Elemente benachrichtigt werden.

Ob Storify schlussendlich wirklich ein Erfolg wird, darf indes aber noch bezweifelt werden. Das Startup verfügt erstens laut Mashable noch über kein Finanzierungskonzept und ist auf Investoren angewiesen und zweitens ist es fraglich, ob das Werkzeug aufgrund seiner (inhaltlichen, nicht bedientechnischen) Komplexität jemals genug User anziehen kann – aufwendige Recherche zu einem Thema zu betreiben, die auch noch auf verschiedenen Plattformen unter Kenntnis der jeweils relevanten Medien und User erfolgen muss, ist schlussendlich wohl nichts für den täglichen Gebrauch durch den Normaluser. Für Blogger, Twitterer und (Social) Media-affine Menschen hingegen könnte Storify ein Weg sein, nachvollziehbare Pfade durch den Dschungel der Äußerungen zu einem Thema zu schlagen und diese mit anderen zu teilen.