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Sebastian Baumer schrieb am 22. März 2012 zu13. Stock intern, Microblogging, Viral Marketing

Only Twitter can do this: Die Socia Media DIN SPEC und ein total normierter Shitstorm.

Seit gestern sind wir endlich mal wieder Teil eines ausgewachsenen und völlig typisch verlaufenden Shitstorms. Es geht um vermeintliche Normierung des Internets und eine DIN SPEC.

Was ist passiert? Wie einige andere Unternehmen und Agenturen meldete sich auch der 13. Stock vor über einem Jahr auf eine Ausschreibung der Universität Hamburg: In Zusammenarbeit mit dem DIN Institut sollte eine DIN SPEC erarbeitet werden werden, ein Leitfaden (keine Norm, DIN Normen sind eine völlig andere Kategorie) für den Einstieg in Social Media für kleine und mittlere Unternehmen, die nicht über die Mittel verfügen, eine Agentur oder andere, deutlich kostspieligere Hilfestellungen in Anspruch zu nehmen.

Zwei unserer Mitarbeiter, die sich für das Projekt interessierten, setzten sich daraufhin mit den anderen Vertretern der Runde regelmäßig an einen Tisch und begannen damit, eben diesen Leitfaden zu erarbeiten, der in verschiedenen Ablaufphasen wie Analyse, Strategieentwicklung und ähnliches (eine Beschreibung der DIN SPEC findet sich hier) versucht, einen möglichen Weg aufzuzeigen, wie Unternehmen in die Social Media finden können.

Seit gestern sieht Twitter so aus:

Dass die Begriffe DIN (Deutsches Institut für Normung) und Social Media in Kombination ein nicht gerade geringes Reizwortpotential entfalten, ist nicht sonderlich überraschend. Ziemlich erstaunt hat mich allerdings dann doch, in welchem Umfang und bei wie vielen eigentlich reflektierten Personen durch die Meldung statt dem Bedürfnis nach einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Thema folgender Pawlow’scher Shitstorm-Reflex ausgelöst wurde:

Ich habe heute mit dem Beuth-Verlag telefoniert, über den die DIN SPEC zu beziehen ist. Sie wurde seit Veröffentlichung eine handvoll Mal verkauft. Ich übersetze: Halb Twitter in Form all seiner “Experten”, PR-Berater, Agenturmenschen und Medienvertreter, die seit Jahren an jeder Ecke verkünden, dass Unternehmen eine Strategie brauchen, sich genau überlegen sollen, ob Social Media für sie Sinn macht, bevor sie sich ins Mitmachnetz wagen und ähnliches, macht sich über einen Leitfaden zum Einstieg in Social Media lustig, der inhaltlich genau das sagt und gar nichts “normiert”, den aber niemand gelesen hat. Ein Shitstorm, der komplett ohne inhaltliche Auseinandersetzung verläuft.

Sehr gerne hätten wir bzw. die bei uns mit dem Thema befassten Mitarbeiter inhaltlich über den Leitfaden diskutiert, überlegt, was daran in der nächsten Version eventuell zu verbessern ist, welche Punkte man beibehalten, verändern oder streichen sollte, aber diese Auseinandersetzung scheint leider wie bei jedem guten Shitstorm von niemandem wirklich gewünscht. Es geht wie so oft offenbar nur darum, möglichst laut zu klappern und Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Ich persönlich würde mir ein Internet wünschen, in dem weniger normiert und reflexhaft Dinge verlinkt und retweetet werden, in dem man, wenn man sich schon nicht die Mühe machen will, sich mit dem Kritisierten inhaltlich auseinanderzusetzen, wenigstens den Begleittext liest, den man selbst verlinkt. Aber das bleibt wohl nur ein Wunschtraum.

Disclosure: Der 13. Stock verdient nichts am Verkauf der DIN SPEC und der Autor dieser Zeilen hat inhaltlich nicht an dem Projekt mitgearbeitet, regt sich aber gerne darüber auf, wenn ohne jede argumentative Grundlage im Netz getrollt wird.

Nicole Pingel schrieb am 25. November 2011 zu13. Stock intern, News

13. Stock meets University

Social Media und Theorie? Das passt nicht zusammen? Das wollen wir doch mal sehen!

Unter diesem Motto führt der 13. Stock seit dem Wintersemester 2011/2012 ein Recherche-Projekt in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, genauergesagt dem Studiengang Medien & Information, durch.

Dieser Studiengang ging einst aus seinem thematisch etwas angestaubten Vorläufer „Mediendokumentation“ hervor. Während einerseits Wert darauf gelegt wird, die Lehre mit möglichst aktuellen Inhalten aus der Medienbranche zu gestalten, sind die informationswissenschaftlichen Wurzeln in einigen Fächern aber noch immer zu spüren. Deutlich wird das z.B. im Fach Information Research, in dem unser gemeinsames Projekt angesiedelt ist. Hier erlernen die Studenten Recherchestrategien, die es ihnen ermöglichen sollen, sowohl das Hyper-Informationsmedium Internet, als auch klassische Datenbanken und Kataloge zu nutzen, um optimale Rechercheergebnisse zu erzielen und sie für die berufliche Praxis aufzuarbeiten.

Nachdem beispielsweise bereits die Otto Group und die Deutsche Bahn AG Recherche-Projekte in diesem Rahmen angeleitet haben, schicken nun wir zwei Studenten-Teams zu den Themen Social- und Mobile Media in der Verlags- und Medienwelt sowie Augmented Reality ins Rennen. In beiden Themen geht es vor allem um:

  • eine umfassende Status-quo-Analyse der aktuellen Konzepte und Einsatzgebiete
  • die Erstellung von Case Studies
  • das Aufstellen einer Prognose über die zukünftige Entwicklung des jeweiligen Feldes auf Basis der ermittelten Daten.

Warum haben die Studenten gerade diese Themen ausgewählt?

Anna Buga fasziniert an den Entwicklungen im Bereich Augmented Reality vor allem „wie phantasievoll diejenigen sind, die in der Entwicklung arbeiten, wie unternehmungslustig jene sind, die die Ergebnisse einsetzen lassen und wie neugierig solche sind, die es nutzen“. Kristine Krause und ihre Gruppenmitglieder interessiert an dem professionellen Einsatz von Social und Mobile Media vor allem die Aktualität und Massenwirksamkeit. Da sie täglich davon umgeben sind, empfinden sie einen großen „Selbstbezug und Vertrautheit zum Thema“. Ihre ersten Recherchen ergaben, dass allen drei Bereichen voraussichtlich nach wie vor Wachstum bevorsteht, daher können sich einige von ihnen sogar vorstellen, sich später beruflich in diesen Themengebieten zu engagieren.

Was haben die Studenten von diesem Projekt?

Schon im dritten Studiensemester erhalten sie die Möglichkeit praktisch mit Unternehmen zusammen zu arbeiten. Vor allem für diejenigen, die frisch von der Schulbank ins Studium gingen, kann das den ersten richtigen Kontakt mit der Arbeitswelt bedeuten. So erhalten sie Einblicke in ein professionelles Unternehmen und setzen sich mit Themen auseinander, die nicht nur in der Theorie sondern auch in der tatsächlichen Berufspraxis von Relevanz sind.

Und wir?

Die Studenten unterstützen uns bei dem, was im schnelllebigen Arbeitsalltag aufgrund von Zeitmangel zu häufig unter den Tisch fallen muss: Eine gewissenhafte, umfassende Recherche, in der alle relevanten Fragestellungen eines Themas beleuchtet werden können und, was noch wichtiger ist, die sinnvolle Strukturierung und Aufbereitung der gefundenen Informationen. So können wir die Ergebnisse auf vielfältige Weise verwenden.

Zurzeit befindet sich das Projekt noch in der Anfangs- und die Studenten in der Orientierungsphase. Aber wir sind schon jetzt gespannt auf die Ergebnisse, bedanken uns noch einmal auf diesem Wege bei „unseren“ Studis für die Zusammenarbeit und wünschen viel Erfolg!

Nicole Pingel schrieb am 4. April 2011 zuEvents

Future Media Summit – Eine Rückschau

Future Media Summit – So lautet der Titel der Veranstaltung, die an den letzten beiden März-Tagen 2011 stattfand. Klingt nach Innovationen, Ideen, Visionen… und ja Zukunft eben, denke ich mir zu Beginn des ersten Tages.

Social Media Policy: Don’t be an Idiot

Die erste Keynote hält sodann Joanna Geary von der britischen The Times, ihres Zeichens Community and Web Development Editor. Sie spricht über „Networked Journalism“: Die Möglichkeiten für Journalisten mithilfe von Social Media zu recherchieren, die Resultate zusätzlich über Social und Mobile Web zu veröffentlichen und so an Reichweite zu gewinnen. Am Ende des Vortrags ist mal wieder eines klar: Die Medienbranche in anderen Ländern ist einfach schon weiter als die Kollegin in Deutschland. Und sie ist cooler. So bricht Geary Lanzen für den journalistischen Mut zu bloggen und zu twittern und auf die Frage aus dem Publikum, ob es bei der Times eine Social Media Policy gebe, antwortet sie: Ja. Und die lautet: Don’t be an Idiot.

Social Media Engagement von Verlagen: Einzahlen in die eigene Marke

Vor der anschließenden Diskussion mit hochrangigen Vetretern deutscher Medienhäuser ist mir etwas mulmig zu Mute. Noch zu frisch sind die Erinnerungen an die Münchener Medientage im vergangenen Oktober. Aber ich werde tatsächlich positiv überrascht: Nicht ein Mal wird auch nur im entferntesten der Wunsch noch einem Radierer für das Internet laut, auch das Wort Leistungsschutzrecht fällt nicht ein einziges Mal: Stattdessen Sätze wie: „Wer sich als Journalist oder Verlag nicht in Social Media engagiert wird in den nächsten Jahren nicht mehr online agieren können“ (Frank Thomsen, Chefredakteur von stern.de), die sogar aus der Print-Ecke bestätigt werden: So gibt Christian Lindner (Chefredakteur der Rhein-Zeitung) zu verstehen, dass man sich in seinem Verlag der Risiken von Social Media zwar bewusst sei, man aber erkannt habe, dass die Chancen, die diese neuen Kommunikationskanäle bieten, schlicht überwiegen. Dieses Bekenntnis zu den neuen Medien geht sogar so weit, dass, wie Lindner erzählt, Social Media Kompetenz in seinem Hause zu den Einstellungskriterien gehöre. Schließlich kommt die Runde sogar überein, dass das Social Media Engagement eines Medienhauses und von Journalisten sich nicht zwangsläufig monetär auszahlen muss. Sondern es würde als ein „Einzahlen in die eigene Marke“ und „Abklopfen des Marktes“ verstanden. Am Ende dieser ersten Keynote bin ich sehr zufrieden. Nicht weil ich der Social Media „Branche“ angehöre, sondern weil ich mich freue, dass hier Referenten gefunden und eingeladen wurden, deren Häuser sich weiterentwickeln wollen, um erfolgreich zu bleiben, statt eine grundsätzliche Anti-Haltung gegen alles Neue einnehmen, wie es leider zu oft der Fall ist. Auch der nachfolgende Programm-Punkt „Erfahrungen mit Medien-Apps“ bestätigt meinen Eindruck: In den Konzern-Spitzen (zumindest) der großen deutschen Medienhäuser scheint es angekommen zu sein: Wer nicht mit der Zeit geht, geht unter. Und: Die Medienmarken, die sich am besten und schnellsten mit den neuen Medienformaten (Facebook, Twitter & Co, aber auch mobile Applikationen und Hybridmedien) arrangieren und mehrwertstiftende Angebote entwickelt, generieren Wissensvorsprünge und Wettbewerbsvorteile, die kurz- und mittelfristig nicht mehr einzuholen sind.

Die deutsche Medien-Branche: Alles bleibt anders

Nach diesen doch sehr interessanten Keynotes werde ich doch jäh in die Realität zurückgeholt. Die nachfolgenden Panels zeigen häufig die gewohnte Mischung aus „ein Löffel Vergangenheit, eine Kelle Gegenwart und eine Prise Zukunft“. Wirklich heraus sticht aus den von mir besuchten Panels leider keines.

Sehr gespannt bin ich am Ende der Veranstaltung auf die Abschluss-Diskussion, die im Programm die vielversprechende Bezeichnung „Digitale Medienstrategien für die Zukunft“ trägt. Aber auch hier wird vermehrt dem Status Quo gefröhnt, bis ein Fragesteller aus dem Publikum die Diskutanten an das eigentliche Thema der Diskussion erinnert und fragt: Wie sieht sie denn nun nach Meinung der Referenten aus, die Zukunft der schreibenden Zunft? Die Unsicherheit ist den Gesichtern anzusehen, niemand traut sich so recht zum Mikro zu greifen. Schließlich wird die Kristallkugel verbal von dem einen zum anderen weitergereicht. Niemand traut sich tatsächlich einen Blick hinein zu werfen. Fast scheint es, als wären die Damen und Herren noch ein wenig erschöpft von der Reise in die Gegenwart und könnten sich nicht ganz mit dem Gedanken anfreunden, dass die Entwicklungen in der gleichen Geschwindigkeit weiter gehen werden wie bisher. Schließlich einigt man sich auf den Konsens, dass Trends sich oft über Jahrzehnte hinweg entwickeln, es gehe lediglich darum die eigenen Inhalte immer wieder auf neuen Empfangsmedien zugänglich zu machen. Nachrichten sind Nachrichten sind Nachrichten. Und alles bleibt anders, sozusagen. Über die Zukunft denkt man nach, wenn sie zum Jetzt wird. Das wird den Erwartungen an ein FUTURE Media Summit zwar nicht ganz gerecht. Aber wenn das wirklich heißt, dass man sich vom restaurativen Zwang ab und den neuen Entwicklungen zuwendet, sobald sie marktreif sind, kann ich sehr gut damit leben. Denn Zukunft ist ja auch eine Frage des Standpunkts.

Sebastian Baumer schrieb am 7. November 2010 zuNews, Online Trends, Social Networks, Tools, User Generated Content

Das große Ganze sehen – Ein Blick auf das Aggregationstool Storify

Die Menge verschriftlichter Meinungen zu verschiedenen Diskursen im Netz nimmt permanent zu. Und sie wird zunehmend kleinteiliger, fragmentierter und unübersichtlicher. Hatten wir es bis vor ein paar Jahren neben den Online-Angeboten klassischer Medien noch mit einer relativ überschaubaren Zahl von einflussreichen Blogs zu tun, so ist heute zusätzlich eine riesige Menge von unter anderem Microbloggern, Posterous- und Tumblr-Accounts, Facebookpages und Web-Newsdiensten zu beobachten, auf denen Menschen ihre Meinungen publizieren. Ein Überblick über die wichtigsten Linien einer Diskussion, die sich selten auf einen einzigen Ort im Netz beschränkt, wird damit zunehmend schwerer.

Zwar bieten die großen Plattformen und Tools jeweils eigene Werkzeuge an, die Informationsmenge zu katalogisieren und zu verschlagworten – so existieren neben der klassischen Suchfunktion etwa Hashtags bei Twitter, Kategorien und Channels bei YouTube und Vimeo, Gruppen bei Facebook und die Blog- bzw. News-Suche bei Google – schwierig wird es aber dann, wenn der User sich ein Bild von einem Diskurs über die Grenzen eines einzelnen Social Media-Kanals hinaus machen will.

An dieser Stelle setzt Storify an, ein neues Aggregations-Tool (momentan ist die Nutzung der geschlossenen Beta nur per Invite möglich), das die Möglichkeit bietet, eine Sammlung von Meinungen zu einem Thema zu publizieren, die aus verschiedenen, eingebetteten Bausteinen besteht, welche wiederum per Suchfunktion aus Quellen im Netz zusammengetragen werden können. So erlaubt das Werkzeug, per Baukastenprinzip und mit eigenen Kommentaren angereichert, einzelne Meldungen und Artikel im Social Web zu einem größeren Bild an einem Ort zusammenzufügen. Die Elemente sind dabei auf ihren Ursprung verlinkt und können teilweise sogar (wie etwa Tweets) direkt aus Storify heraus auf der ursprünglichen Plattform beantwortet werden. Das Tool ist damit für Medienmacher und Autoren etwa das, was Flipboard für den Konsumenten ist: Eine Möglichkeit, über Plattformen hinweg Meinungen und Artikel in einem ansehnlichen Layout und an einem Ort zusammenzuführen, und zwar über Einbettung, nicht nur über Verlinkung.

Der klassische Einsatzzweck von Storify dürften Veranstaltungen sein, wie das Startup auch in seinem Demo-Video zeigt, das die grundlegenden Funktionalitäten vorführt:

Denkt man ein bisschen weiter, kommen sofort weitere Einsatzzwecke in den Sinn: Ein beliebiges Thema innerhalb der Blogosphäre könnte mit Storify genauso übersichtlich durch die verschiedenen Blogs verfolgt und aufbereitet werden wie die besten Blumenkübel-Tweets oder die schönsten Photos von verschiedenen Hostern zu einem bestimmten Thema. Schlussendlich kann man sogar versuchen, crossmedial Diskurse mittels relevanter, unterhaltsamer und kontroverser Meinungen nachzuzeichnen – was ich in einer Miniaturversion beim ersten Test des Tools hier zur der wiederaufkochenden Google Street View-Debatte versucht habe.

Ein solcher Storify-Artikel aus kleinteiligen Elementen und Links lässt sich im Anschluss, wenn gewünscht, auch direkt in einem Blog oder auf einer Webseite wieder einbetten und ist automatisch mit den entsprechenden Buttons und Tools zum Sharen versehen, optional können außerdem die Ursprungsautoren der eingebetteten Elemente benachrichtigt werden.

Ob Storify schlussendlich wirklich ein Erfolg wird, darf indes aber noch bezweifelt werden. Das Startup verfügt erstens laut Mashable noch über kein Finanzierungskonzept und ist auf Investoren angewiesen und zweitens ist es fraglich, ob das Werkzeug aufgrund seiner (inhaltlichen, nicht bedientechnischen) Komplexität jemals genug User anziehen kann – aufwendige Recherche zu einem Thema zu betreiben, die auch noch auf verschiedenen Plattformen unter Kenntnis der jeweils relevanten Medien und User erfolgen muss, ist schlussendlich wohl nichts für den täglichen Gebrauch durch den Normaluser. Für Blogger, Twitterer und (Social) Media-affine Menschen hingegen könnte Storify ein Weg sein, nachvollziehbare Pfade durch den Dschungel der Äußerungen zu einem Thema zu schlagen und diese mit anderen zu teilen.

Michael Wagner schrieb am 25. Oktober 2010 zuEvents, Social Networks

Learning by doing

In meiner ersten öffentlichen Amtshandlung als Mitarbeiter des 13. Stocks durfte ich am Donnerstag, dem 21.10.2010 der Veranstaltung beesocial #1, organisiert von der Agentur beebop media, teilnehmen. Referenten waren Facebook Deutschland, vertreten durch Elke Rothbächer, sowie CALIDRIS 28 Deutschland, vertreten durch Julia Akra, die das Produkt Schwarze Dose 28 als Facebook-Usecase darstellten.

Viele interessierte Zuhörer, Copyright by Stefan Groenveld, http://www.stefangroenveld.de

Viele interessierte Zuhörer, Copyright by Stefan Groenveld, http://www.stefangroenveld.de

Als Erstes an der Reihe war Frau Rothbächer von Facebook. Diese referierte zunächst über die Möglichkeiten, die Facebook Unternehmen bietet, um sich zu präsentieren. Als Beispiele brachte sie unter anderem Starbucks sowie die „Wurstwasser“-Kampagne von Rügenwalder. Als aktuellstes Beispiel wurde dann auch die Chefticket-Kampagne der Deutschen Bahn angesprochen. Dies verknüpfte Frau Rothbächer geschickt mit den von Facebook gegebenen Werbemöglichkeiten, um die Bekanntheit bei der Zielgruppe sowie den Erfolg der Kampagnen/der Fanseiten zu steigern.

Im Rahmen von Starbucks wurden zum Beispiel Event-Ads vorgestellt, mit denen ein Event beworben und die Teilnahme in der Ad direkt bestätigt werden kann. Auch wurde in Ansätzen erklärt, wie die Werbungszuweisung dank der Likes vonstatten geht und dass man unter Umständen auf Facebook eine andere Zielgruppe anspricht bzw. ansprechen muss. Zu guter letzt wurde die Verknüpfung von Fanseiten mit Places-Seiten angekündigt, welche man ab Freitag Mittag auf sämtlichen Plattformen als Warnpostings (wegen schlechtem Design und Usability) lesen konnte. Alles in allem ein sehr marketinglastiger Vortrag, der vor allem ein Ziel hatte: Verkaufen von Ads.

Der zweite Vortrag war ein gelungener Usecase zum Thema Facebook Fanpages. Julia Akra stellte ihre Arbeit an der Seite von Schwarze Dose 28 vor. Sie hatte es geschafft, innerhalb von einem Jahr die Anzahl der Fans von 3.000 auf 25.000 zu steigern. Dies schaffte sie vor allem durch ihre Schlagfertigkeit und die freche Art zu schreiben. Sie stellte dar, wie sie ihre Postings konzipiert, wie sie auf kritischen Kommentare reagiert und wie das Zusammenspiel zwischen Vertrieb, vor allem mit dem Onlineshop, und ihrer Abteilung abläuft. Damit wurde anschaulich gezeigt, dass die Fanpage einen zwar kurzen, dafür aber großen Ausschlag der Besucherzahlen im Onlineshop erzeugte.

Kritische Kommentare auf der Seite werden von ihr zunächst mit Fachwissen pariert. Sie stellte aber auch einen Fall vor, bei dem der Fragende einfach nicht zufriedenzustellen war und zum Einen andere Fans für das Produkt in die Bresche sprangen und zum Anderen Frau Akra ab einem gewissen Zeitpunkt ironisch postete um die Diskussion zum Ende zu bringen.

Ihr Vortrag zeigte zwei elementare Punkte auf: Auf der einen Seite kann man durch persönliches Engagement sehr viele Fans generieren, da die Sympathie des Produkts hier unmittelbar mit der Sympathie zum Schreiber der Postings verbunden wird. Auf der anderen Seite wurde deutlich, dass Frau Akra keinerlei Vorgaben oder Richtlinien zur Verwaltung der Fanseite hatte. Somit durfte sie tun und lassen was sie wollte, was in ihrem Fall zu einem massiven Anstieg der Fans führte.

Der Vortrag von Julia Akra stellt somit ein wunderbares Beispiel dafür dar, dass man durch das Ausprobieren von Neuem, in diesem Fall eine Ausweitung der Kommunikationskanäle auf Facebook, nicht nur eine weitere, unter Umständen sehr loyale Nutzerschaft anspricht, sondern durch integrierte Kommunikation auch einen Return on Investment erzielen kann. Allerdings ist zu bemängeln, dass keinerlei strategische Planung eingesetzt wurde um die Fanseite voranzubringen. Im Fall von Schwarze Dose 28 hat dies zwar dennoch geklappt, was aber zum Einen an der Sympathie der Nutzer zum Schreibstil von Frau Akra, zum Anderen am Produkt selbst, welches ein junges und hippes Publikum anspricht, liegt.

Der gesamte Abend war also vollkommen im Zeichen von Facebook. Aufgrund der anwesenden Zielgruppe (vorwiegend Facebook-affine Personen) war der Vortrag von Frau Rothbächer inhaltlich zu flach. Auch von der späteren Resonanz in der Diskussionsrunde, in der sehr konkrete Fragen zur Nutzung von Fanseiten und Werbeanzeigen gestellt wurden, konnte man erahnen, dass die nötige Tiefe fehlte. Julia Akra konnte dies mit ihrem Vortrag wieder etwas wett machen, da sie nicht nur einen guten und erfolgreichen Usecase präsentierte, sondern zudem darstellen konnte, wie Marketing und Vertrieb effizient zusammenarbeiten können und somit die Arbeit von Social Media-Abteilungen einen Return on Investment liefern können.

Ich möchte mich auch noch einmal herzlich bei beebop media bedanken, die dieses Event wunderbar und professionell ins Leben gerufen haben. Im Gespräch mit Pedro Anacker, Geschäftsführer von beebop, und Sven Wiesner, Head of Social Media bei beebop, erfuhr ich, dass das nächste Event mit einer vorherigen Befragung der Teilnehmer geplant ist, wodurch der Wissensstand abgefragt und passende Referenten ausgewählt werden sollen. Dies ist meiner Meinung nach ein Schritt in die richtige Richtung und ich freue mich schon heute auf das nächste Mal.

Wiebke Uhlenbroock schrieb am 1. August 2010 zuNews, People, Social Networks

Social Media grenzenlos: von twitternden Großmüttern und der Frage, wie alt eigentlich Facebook ist

Plötzlich und unerwartet war es sicher nicht, doch das Soziale Netz trauerte, als vergangene Woche bekannt wurde, dass Ivy Bean – im stolzen Alter von immerhin 104 Jahren – ihren letzten Tweet gesendet hatte. Die rüstige alte Dame, die im Jahr 2007 mit der Eröffnung ihres ersten Facebook Accounts (Twitter folgte ein Jahr später) der Social Media Szene beitrat, beteiligte sich bis zuletzt regelmäßig an vielen Diskussionen im Netz. Im Laufe der Jahre sammelte Ivy Bean als „IvyBean104“ fast 63.000 (darunter teilweise zumindest gefühlte z-prominente) Follower, die das Leben der betagten Britin verfolgten, ihre insgesamt weit über 1000 Tweets „retweeteten“ und Bean in der vergangenen Woche auch posthum ein „Social Denkmal“ setzten – zahlreiche Beileids-Tweets wurden verschickt und Facebook Pages gegründet, um ihrer zu gedenken.

Nicht nur das Beispiel von Ivy Bean, sondern auch aktuelle Statistiken beweisen, dass Social Media längst weit über die Teen- und Twen-Generationen hinaus reicht. Allein meine persönliche Freundesliste auf Facebook hat sich längst zu einem kunterbunten Mehr-Generationen-Verzeichnis entwickelt. Was mich zunächst verwunderte: Befreundete Kinder, Katzen und Bekannte meiner Eltern nutzen die Plattform oft sogar wesentlich häufiger und aktiver als meine Freunde aus Schul- und Unizeiten. Verrückte Welt oder schlichtweg ein weiterer Beweis dafür, dass Social Media Menschen global auch über Altersgrenzen hinaus vernetzt?

Das amerikanische Unternehmen Pingdom förderte kürzliche interessante Statistiken zutage, in denen die Altersstruktur von US-Social Networks aufgeschlüsselt und anschaulich visualisiert wurde. Ein Viertel aller User ist dabei in der Altersgruppe der 35-44 angesiedelt – das sind 7 Prozent mehr als User zwischen 25 und 34 vertreten sind. Auch die 55 bis 64-jährigen, also die Generation meiner Eltern ist mit 10 Prozent häufiger in sozialen Netzwerken vertreten als die 18 bis 24-jährigen. Überraschende Ergebnisse? Schon irgendwie, wenn man bedenkt, dass insbesondere letztere als “Generation Internet” bekannt sind.

Dabei ist Plattform nicht gleich Plattform. Schätzungen von Pingdom zufolge ist das amerikanische Netzwerk Bebo mit einem Altersdurchschnitt von 28 Jahren das Jüngste unter seines Gleichen. Der Durchschnitts-Facebooker bzw. Twitter-User ist 38 bzw. 39 Jahre alt und jene, die auf Classmates.com nach alten Klassenkameraden suchen zählen im von Pingdom ermittelten Schnitt 45 Lenze. Es scheint: Je interaktiver und unterhaltungslastiger die Plattform, desto niedriger der Altersschnitt ihrer User. Das Business-Netzwerk LinkedIn weist einen Durchschnitt von 44 Jahren auf – das sind vier Jahre weniger, als der amtierende US-Präsident Barack Obama auf dem Buckel hat und ganz sicher einpaar Jährchen mehr, als manch Hollywood-Sternchen je öffentlich eingestehen würden.

Insbesondere für Marketingexperten, die sich intensiv mit Social Media und Zielgruppenanalysen auseinandersetzen, sind die Statistiken nicht nur informativ, sondern bares Geld wert. So können Usergruppen einfacher analysiert und demografisch geclustered und Kampagnen und Informationsangebote auch im Social Web zielgruppengenau platziert werden. Und mal ehrlich, auf Facebook mit der amerikanischen Gast-Oma zu chatten ist schon irgendwie cool … ähm … „lovely“, oder?