Mittlerweile sind Michael und ich in Paris angekommen und bei der Marketing 2.0 Conference IWOMC, zu der ich gleich noch berichten werde. Zuerst aber noch ein kurzer Rückblick auf das Barcamp London 6, welches Sonntag vergleichsweise früh zu Ende ging.
Der Sessiontable hat sich über den Tag immer mal wieder verändert und es kamen einige neue Sessions hinzu und andere entfielen. Für mich hat das keinen Unterschied gemacht, da ich den Sonntag dazu nutzen konnte, intensive Gespräche mit anderen Teilnehmern zu führen. Einem dieser Teilnehmer, Amir Amirani, möchte ich nun gerne kurz vorstellen.
Amir Amirani ist ein erfolgreicher Regisseur und Filmemacher, den das Barcamp Orga Team für eine Dokumentation über diese spezielle Unkonferenz und das Thema Unkonferenzen im Allgemeinen gewinnen konnte. Auf seiner Website Amirani Films ist ein beachtliches Repertoire an Videobeiträgen zu finden, die eine große Bandbreite an Themengebieten bedienen: Von Dokumentarfilmen über Wissenschaft, Musik und Kunst bis hin zu Commercials, Firmenporträts und Imagefilmen haben Amir und sein Bruder bereits alles vor die Kamera bekommen und professionell aufbereitet.
Besonders interessant für den 13. Stock macht ihn aber sein Wunsch, eine Art “Social Hub” für Medienschaffende aller Art in London auf Basis einer Communitysoftware zu gründen. Wir haben Amir zugesagt, ihn dabei nach Kräften zu unterstützen und werden fortlaufend über dieses Projekt berichten.
Erwähnenswert, weil sicher ein neuer Trend im Bereich Social Networking, ist, das Florian Greiner (@greinr), möglicherweise das (oder den?) erste/nPoken ins Vereinigte Königreich gebracht hat. Florian kam am Samstag direkt vom Barcamp Ruhr2 aus Essen, bei dem Poken wohl eine größere Rolle gespielt hat (Twittersuche nach #Poken und #bcruhr).
Bis wir auch ein Poken haben, wird es wohl noch bis Mittwoch zur re:publica dauern, aber dann werden wir auch etwas genauer darüber berichten. Für heute schließen wir das Thema mit folgendem Foto vorerst ab.
Der Veranstaltungsort. The guardian. The Observer.
Ich habe ja gestern schon darüber geschrieben: In Deutschland ist es zwar (glücklicherweise) nicht mehr unüblich, dass ein (großes) Unternehmen seine Büroräume für eine (Un)Konferenz zur Verfügung stellt, die just frisch bezogenen Räumlichkeiten der Tageszeitungen “The guardian” und “The Observer” haben aber noch eine andere Qualität. Im Herzen Londons, nicht unweit der Station King’s Cross gelegen, residiert man hier auf mehreren lichtdurchfluteten Ebenen, die ein riesiges Atrium umschließen. Eine ganze Etage mit mehreren hundert Quadratmetern Loungefläche und mehr als einem halben dutzend Konferenzräumen laden nicht nur zum Verweilen ein, sondern hier macht auch das Arbeiten Spaß.
Opening Doors
Als kurzer Einstieg in den heutigen Tag ein kurzes Video aus der Empfangshalle, kurz bevor mit der Registrierung der Teilnehmer begonnen wurde.
Sessions beim Barcamp London 6
War der Sessiontable am Vormittag noch jungfräulich und unbenutzt, füllte sich dieser doch innerhalb kürzester Zeit mit zum Teil spannenden bis obskuren Themen wie “Reading Everyone’s Deleted Tweets”, “Location Aware iPhone App”, “How to monetize Twitter, facebook, etc.”, “Journalism without Journalists” oder “Hacking with IKEA” und “Let’s talk about sex.”
Unabhängig von den angebotenen Sessions ist ein Barcamp für mich immer wieder gerade auch deshalb interessant, weil das Format Unkonferenz eine große Anzahl Experten mit Spezialwissen anzieht und diese im Verlauf der Konferenz alle an einem Ort verweilen und für Gespräche offen und zu haben sind. Neben der Teilnahme an für mich relevanten Sessions sind es gerade diese Gespräche mit Experten, die insbesondere Barcamps im Ausland für mich und für unsere Firma interessant machen. So hatte ich heute u.a. die Gelegenheit, ein längeres und enorm interessantes Gespräch mit Andy Mitchell, dem Gründer von GTDInbox, zu führen, bei dem es vornehmlich darum ging, wie er sein Unternehmen mit einer aktiven Userzahl von 20.000 Usern für größere Partner interessant machen könnte.
Aus dem Sessiontable habe ich mir “The Data Debate”, “The Guardian API”, “Reading Everyone’s Deleted Tweets” und “Intermediate to advanced CSS markup” herausgesucht und dann auch daran teilgenommen.
“The Data Debate” versuchte, einen guten Überblick über die frei verfügbaren Datenbanken in UK zu geben.
“Reading Everyone’s Deleted Tweets” von Tom Scott handelte von Tweleted, einem von ihm selbstentwickelten Twitter-Mashup, mit dem man aus der Datenbank gelöschte Tweets heraussuchen und anzeigen lassen kann. Spannende Sache, die den anwesenden Twitterati z.B. auch den Unterschied zwischen API und Firehose anschaulich verdeutlichen konnte. Während man via API auf die Live-Datenbank von Twitter zugreifen kann, enthält der XMPP Datenstrom der Firehose auch die bereits aus der Datenbank gelöschten Tweets. Durch einen Abgleich beider Ergebnislisten lassen sich so nur die gelöschten Tweets eines bestimmten Users anzeigen. Einfach mal ausprobieren …
Für den 13. Stock besonders spannend war “The Guardian API”, in der uns das für den Guardian entwickelte CMS vorgestellt und dessen Funktionsweise erklärt wurde.
“The guardian” basiert auf einer tag-driven Engine, die allein über Verschlagwortung der Inhalte eine Navigation durch den Inhalt erlaubt. Auch Suchanfragen mit mehreren Operanden (z.B. Obama und vor 2007) können problemlos abgefragt werden. Ebenfalls vorgestellt in diesem Zusammenhang wurde “The DATA STORE – Facts you can use” des Guardian. Hierbei handelt es sich um ein Mashup mit Google Docs, welches den Usern der Plattform in großem Umfang Daten in Tabellenform zur Verfügung stellt.
Kleine Anekdote am Rande: Bei dem Datenblatt über den britischen Staatshaushalt, an dem Mitarbeiter des Guardian wochenlang gearbeitet haben, handelt es sich um eine so genaue Aufstellung, dass sich nach der Veröffentlichung sogar staatliche Stellen beim Guardian gemeldet haben und zugeben mussten, dass selbst ihre eigenen Quellen nicht so genau sind.
Barcamp London 6 – Der Film
Ein professionelles Filmteam begleitet das Barcamp London 6 und dokumentiert Sessions, Ablauf, Orga, Prozesse und Rahmenprogramm. Erfreulicherweise wurde auch ich interviewt und konnte von verschiedenen Erfahrungen, u.a. vom Barcamp Riga 2009, berichten, welches ich im Februar diesen Jahres besuchen konnte.
Sobald das Filmmaterial zur Verfügung steht und online ist, werden wir es natürlich auch entsprechend verlinken.
Fotos und Videos vom Barcamp
Sämtliche Fotos der Unkonferenz sind mit BCL6 oder BarcampLondon getagged und lassen sich unter diesen Schlagworten z.B. auf flickr finden. Auch unsere eigenen Fotos finden sich wieder im flickr-Stream des 13. Stocks.
Gleiches gilt für Videos. Unsere Videos vom Barcamp London 6 finden sich in unserem Youtube Kanal. Sehenswert ist vor allem der kurze Clip mit Tom Scott (s.o.), der live einen Mitarbeiter von Channel5 aus den USA anruft, welcher ihm wiederholt und auf besonders perfide Weise E-Mail SPAM geschickt hat.
Zum Auftakt einer spannenden Woche vollgepackt mit (internationalen) Konferenzen sind Michael (@coffeemick) und ich (@OliverBerger) heute nach London aufgebrochen, wo ab morgen das Barcamp London 6 (#bcl6) beim “The Guardian” stattfinden wird.
Wie auch schon 2007, als das Barcamp London bei Google nahe der Victoria Station stattfand, gibt es dieses Mal wieder die Möglichkeit, echtes Campfeeling aufkommen zu lassen. Anders nämlich als bei den Unkonferenzen in Deutschland, bei denen wir (subsumiert hier die Web 2.0 Szene und deren unscharfe Randgruppen) als Gäste großer Unternehmen (z.B. Sun in München 2008, Otto in Hamburg 2008) den Veranstaltungsort zum Abend wieder verlassen mussten, haben wir hier beim Barcamp London die Möglichkeit, gemeinsam mit den anderen Barcampern am Veranstaltungsort zu übernachten. Dies gibt einem die Möglichkeit, andere Teilnehmer auch mal ganz anders kennenzulernen und vor allem interessante Themen bei Bedarf bis spät in die Nacht zu diskutieren, ohne an eine zeitliche Deadline gebunden zu sein. Hat so was von Lagerfeuerromantik. Nur ohne Feuer und ohne Romantik.
Immer wieder faszinierend ist auch die hohe Attraktivität dieser Londoner Unkonferenz für speziell Teilnehmer aus Deutschland. Neben uns beiden vom 13. Stock nehmen am #bcl6 auch wieder Vivian Pein (@zeniscalm), Florian Greiner (@greinr) und sicher noch ein paar andere bekannte Gesichter teil. Fast habe ich das Gefühl, einige der deutschen Teilnehmer öfter im Ausland auf Konferenzen zu treffen als in Deutschland selbst.
Faszination Barcamp
Diese Faszination erklärt sich allerdings recht schnell, wenn man mal selber auf einem Barcamp im Ausland gewesen ist. Der Input, den man von dort mit nach Hause nimmt und in die eigene Szene tragen oder in seine tägliche Arbeit einbringen kann, ist einfach enorm. Keine andere Konferenzform ermöglicht derzeit eine so hohe Durchdringung der Teilnehmer mit neuem (Spezial)Wissen in so kurzer Zeit, welches noch dazu praxisnah, anwenderorientiert und ganz barcamp-style dialogisch vermittelt wird. Andererseits entstehen im Moment auch in Deutschland neue Konferenzformate, Mischformen wie das remixcamp 09 oder Open Space Events bei großen Unternehmen, die Potential haben, einen ähnlichen Impact auf die Szene und darüer hinaus zu haben.
Der Vollständigkeit halber muss ich erwähnen, dass die Barcamps in Deutschland selber natürlich die gleichen Qualitäten haben, nur der Fokus eben ein anderer ist, wenn man selber viel in diesem Metier unterwegs ist. Auch und vielleicht gerade das zeitgleich mit dem Barcamp London stattfindende Barcamp Ruhr 2 (#bcruhr2) im Essener Unperfekthaus erlaubt ebenso die Übernachtung vor Ort und ist sicherlich eine brilliante Veranstaltung. Der Fokus hier allerdings vermutlich eher lokal bzw. regional.
Sessionvorschlag: Kennzahlen für Social Media im Internationalen Vergleich
In den letzten Tagen und Wochen hat uns neben den Kundenprojekten kaum ein Thema so umgetrieben wie das Thema “Kennzahlen und Relevanzmaße für Social Media”.
Da wir (@13stock) vor kurzem ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziertes Programm von der Universität Hamburg vorgestellt bekommen haben und diese uns darin den Lead angeboten hat, haben wir viel Energie und Zeit in dieses Thema investiert und uns öffentlich (u.a. beim Social Media Club Hamburg) Partner gesucht, mit denen wir diese Kennzahlen zu einer Vor-Norm entwickeln und so gemeinsam Möglichkeiten schaffen wollen, Social Media Marketing messbar und besser vorhersagbar zu machen. Zu diesem Thema wird es in Zukunft einiges mehr hier im Blog und vor allem auch auf einer speziellen Plattform zu lesen geben, die wir mit unseren Partnern eigens zu diesem Zweck aufsetzen. Hintergrund ist einfach, dass wir der Ansicht sind, so ein großes Projekt kann nicht einer Agentur “gehören” und darf auch nicht nur mit ein paar Menschen in Verbindung gebracht werden. Vielmehr sollten sich alle daran beteiligen können, ganz im Sinne des “share” Gedankens.
Um den Bogen zurück zum #bcl6 zu schlagen: Wir haben uns gedacht, wir halten eine Session, in der wir den bisherigen Stand der Forschung zum Thema “Kennzahlen und Relevanzmaße für Social Media” vorstellen und dann in einen Dialog treten und mit den anderen versuchen herauszuarbeiten, auf welche Art und Weise man sich dieser Thematik in UK nähert.
In diesem Sinne: Stay tuned and follow @13stock at twitter.com.