Archiv für die Kategorie „People“

Moritz Avenarius schrieb am 5. Januar 2012 zuOnline Trends, People, Tools

State of the Art – Vergleich der Künstler-Plattformen

Die expressionistischen Entwicklungen des digitalen Zeitalters verlangen nach einer Bühne, virtuell gesprochen, einer Plattform. Von diesen Plattformen gibt es mittlerweile eine Menge, und da ich selbst als Grafikdesignerin diese Kanäle nutze, stelle ich euch drei davon einmal vor: Behance, eine Creative-Plattform, DeviantArt, eine Künstler-Community und Fotocommunity, eine Plattform rund um die Fotografie.

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Behance

Behance spricht von sich selbst als “Creative Professional Platform” und kann dieses Versprechen auch halten. Schwerpunkt ist die Galerie, hier finden sich ausgewählte Arbeiten der Seitenbetreiber, die sowohl an Kreativität als auch an Professionalität nichts zu wünschen übrig lassen. Durch diese Selektion bekommt man immer einen bunten Strauß an fantastischen Arbeiten zu sehen. Anmelden kann sich dennoch jeder. Das was bei Facebook das Profil ist, ist hier das Portfolio. Der Großteil der Arbeiten besteht aus Design und Fine Art, aber auch Typografie, Fotografie und Illustration kommen nicht zu kurz und obwohl auch viele freie Arbeiten präsentiert werden, dominieren die veröffentlichten, professionell beauftragten Arbeiten.

Jede Arbeit hat einen “Appreciate this”-Button, mit dem man eine positive Stimme abgeben kann. Darüber hinaus lässt sich jedes Projekt auf den gängigen sozialen Plattformen teilen und auch an StumbleUpon senden. In einem kleinen Fenster öffnen sich einem über 24 Möglichkeiten, diese Arbeit zu verbreiten oder zu markieren. Gefällt einem ein Profil, kann man ihm folgen, und wird nun über alle neuen Veröffentlichungen auf dem Laufenden gehalten. Außerdem kann man Profile in seinen “Inner Circe” einladen, und so eine Art Freundeskreis erstellen. Natürlich kann auch jedes Profil und jedes Projekt kommentiert werden. Die Kommentare bleiben dabei in der Regel sehr fachlich und professionell.

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Fazit: Professionelle Creative-Plattform mit hohem Anspruch, Selektion und gutem Design.

Persönliche Profil-Perlen:

www.behance.net/mydeadpony

www.behance.net/akaempk

(Finde mich auf Behance: www.behance.net/dtyllack)

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http://www.behance.net/gallery/2011/2708365
Illustration 2011 Raphael Vicenci

DeviantArt

Mit über 18 Millionen angemeldeten Künstlern und 180 Millionen hochgeladenen Arbeiten, nennt sich DeviantArt wohl zurecht die weltweit größte online Art-Community. Insgesamt zeigt sich diese Plattform sehr fantastisch und phantasievoll.

Auf der Startseite befindet man sich bereits in der Galerie. Wandert man zwischen den Arbeiten umher, hat man es recht schwer einen Überblick zu behalten, da es keine eindeutige Menüführung zu geben scheint. Die Bandbreite der Künstler erstreckt sich von Anfänger bis Profi und auch in den Stilen und Techniken ist so gut wie alles vertreten. Meist geht es dabei um Fotografie, Zeichnungen und Malereien.

Hier kann sich jeder ein Profil erstellen und seine Arbeiten präsentieren und kommentieren lassen. Eine Hand voll Social Media Buttons erlauben das Verbreiten der gesichteten Arbeiten. Gefällt einem etwas besonders gut, kann man es zu seinen Favoriten hinzufügen. Die für die Kommentar-Leiste verfügbaren animierten Smileys erinnern eher an ein Chatportal, allerdings sind die Kommentare hier auch oft sehr emotional und persönlich verfasst.

Profile können besucht oder beobachtet werden. Außerdem gibt es Wettbewerbe und Punkte, die man vergeben kann. Wenn der Künstler es eingestellt hat, sind Arbeiten auch käuflich. Über den DeviantArt-Shop kann man sich sein Lieblingswerk aussuchen, in gewünschter Größe bestellen und zwischen Papier-, Leinwand- oder Fotodruck wählen.

Fazit: Große Community für jedermann, der sich künstlerisch und phantasievoll ausdrücken und präsentieren möchte.

Persönliche Profil-Perlen:

senderosolvidados.deviantart.com

ev-sta.deviantart.com

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Fotocommunity

Die Fotocommunity ist, wie der Name schon vermuten lässt, eine Gemeinschaft für Fotografie. Über 1 Millionen Fotografen sind auf dieser Plattform angemeldet. Doch nicht nur sie finden sich hier, auch Models können sich anmelden. Darüber hinaus tummeln sich auch viele Fotokünstler auf diese Plattform. Kurz: Jeder, der Freude an der Fotografie hat. Mit einer eindeutigen Startseite und ausgewähltem Bild präsentiert sich diese Plattform mit ruhigem Design und einer relativ klaren Struktur.

Von der klassischen Portrait-Fotografie über Akt, Abstraktem bis hin zu professionellen Fotomontagen und Bildbearbeitungen ist hier alles zu finden. Es mischen sich laienhafte Schnappschüsse mit hochaufwendigen Fotografie-Kunstwerken. Auch hier bietet sich die Möglichkeit, sich zu vernetzen und auszutauschen. Arbeiten können gekauft werden, Models und Fotografen gebucht werden. In einem Forum kann man sich in drei verschiedenen Kategorien an Diskussionen beteiligen. Jede Arbeit lässt sich über die bekannten sozialen Netzwerke verbreiten und einbetten. Es können Kommentare abgegeben werden, die sich, oft in den unterschiedlichsten Sprachen unterhalb der Arbeit finden. Das Profil eines angemeldeten Fotografen ist überschaubar an Informationen und konzentriert sich mehr auf sein künstlerisches Statement und seine Arbeit.

Fazit: Umfangreiche Community für Fotografen, Models und Foto-Begeisterte mit Ambitionen.

Persönliche Profil-Perlen: eduard szattler, LLen29

http://www.fotocommunity.com/pc/pc/mypics/1565080/display/26302889
“What I want here?” von Eduard Szattler

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Gesamt-Fazit

Die drei Plattformen sind, obwohl sie alle für kreative Arbeiten sind, sehr unterschiedlich.

Behance macht auf mich einen sehr professionellen aber auch elitären und unpersönlichen Eindruck. Die Arbeiten sprechen allerdings tatsächlich für sich, und um diese geht es im Endeffekt. Wer hier aber auf große Kommunikation hofft, wird meiner Meinung nach enttäuscht werden. Ein bisschen wie eine Museumsführung. Bitte flüstern!

DeviantArt birgt viele Talente, die wie ich finde in der Fülle der Arbeiten leider völlig untergehen, und nur durch geduldiges Suchen aufgespürt werden können. Die Mitglieder unter sich haben offensichtlich einen recht aktiven Austausch, als Außenstehender kommt man nicht so recht mit. Manchmal ist weniger eben doch mehr!

Die Fotocommunity ist am unpersönlichsten, da am wenigsten Informationen über die Mitglieder und am wenigsten Austausch-Möglichkeiten angeboten werden. Der Fokus wird klar auf die Arbeit gelenkt, welche zu einem Großteil leider keinen sehr professionellen Eindruck auf mich macht. Dazwischen befinden natürlich einige Ausnahmen. Hier bleiben die Arbeiten leider in der Quantität überschaubar. Suchen macht Spaß, aber Finden noch viel mehr!

Welche Plattformen nutzt ihr, um eure Kunst zu präsentieren? Was macht sie für euch so attraktiv?

Moritz Avenarius schrieb am 21. April 2011 zuPeople

Gestatten, Richter.

Willkommen, Katja Richter! Was machst du gerade?, What’s happening?, Was sollte Ihr Netzwerk wissen?
Alles Fragen, die social-media-affine Menschen kennen und auch tagtäglich für ihre Kontakte in diversen Netzwerken beantworten, in ihrer Freizeit, versteht sich. Wenn man im 13. Stock angekommen ist, sind das alles Fragen mit beruflicher Relevanz. Und damit wär ich auch schon an der Stelle angekommen, an der ich mich vorstellen wollte: Ich bin Katja, 24, Studentin im Praktikum, bei Facebook (aktiv), Xing (semiaktiv) und Twitter (Neuling in der Beobachtungsphase). Und wenn ich recht drüber nachdenke, ist dies mein erster Blogbeitrag, den man online lesen kann.

Seit 21 Tagen arbeite ich im 13. Stock im Content & Community Management. Bislang war ich eher ein Kind der, sagen wir mal, klassischen Medien. All die äußerst wichtigen Insiderbegrifflichkeiten, die man sich mit der Zeit angeeignet hat, bringen mir hier leider gar nichts. Die Onlinewelt tickt eben anders. Vor allem schneller, viel schneller. So schnell, dass man eigentlich schon die Arbeit von morgen machen muss. Eine äußerst spannende Herausforderung.

In meinen ersten Tagen wurde also fleißig der RSS Reader bestückt, eine vernünftige, nach Expertise aussehende Twitter Timeline eingerichtet und Social Media Begriffsglossare gelesen. Und mit dem jungfräulichen Halbwissen von 1 ½ Wochen Praxis ging’s mit zur re:publica, in die Insiderwelt der Onlinewelt der Medienwelt. Erwähnt seien an dieser Stelle meine persönlichen Highlights: der Trollvortrag von Sascha Lobo sowie die erschreckend ehrliche Rede von Gunter Dueck. Das waren drei wirklich sehr schöne Tage mit dem 13. Stock in Berlin. So kann es gerne weitergehen!

Sebastian Baumer schrieb am 26. März 2011 zuMicroblogging, People, Social Networks

Fünf gute Gründe für Twitter – Eine Verteidigung

Der gestrige Tag spülte eine Meinungsäußerung von Blogger-Urgestein Robert Basic in meine Facebook-Timeline, der ich nicht heftig genug widersprechen kann. Er schreibt:

“reine Ansichtssache: Mehr oder minder verkommt Twitter zur reinen Infomaschinerie, blutet sozial aus. Das schärft das Produkt, gleichzeitig wirkt es zunehmend steriler. Keine Untersuchung, keine Studie, reiner Eindruck, der sich seit Wochen und Monaten verstärkt.”

Ich möchte in fünf (mit sehr polemischen Überschriften versehenen) Argumenten aufzeigen, warum Robert (dessen Meinung ich oft sehr schätze) an dieser Stelle massiv irrt, um am Ende zu versuchen, nachzuvollziehen, wie er zu der Auffassung kommt und schließlich zeigen, was jeder Einzelne, der derselben Ansicht ist, für ein besseres Twitter bei sich selbst tun kann.

Twitterer sind sozialer

Es sind nicht nur Veranstaltungen wie die Lesungsreihe #JourFitz oder die #Twittnite, die auf Twitter geboren wurden und sehr treue Anhänger haben, auch Veranstaltungen, deren Ursprung nicht auf Twitter selbst liegt, finden im Social Web heute vor allem auf Twitter und über Hashtags statt. Dieser Trend nimmt nicht ab, sondern zu. Was wäre eine re:publica ohne das per Default öffentliche #rpXX, den Hashtag also, über den jeder Besucher jede Äußerung der Gesamtheit der Twitterer über die Veranstaltung mitlesen kann? Kein anderes Netzwerk hat bis heute ein derartiges Vernetzungspotential wie das grundsätzlich öffentliche und offene Twitter, in dem ich schlichtweg jedem folgen und mit jedem kommunizieren kann, ohne dass er mich erst bestätigen oder authorisieren muss. Twitterer sind Menschen, die diese offenen Strukturen nutzen und lieben. Man benutzt Twitter nicht, um seine alten Klassenkameraden wiederzufinden, sondern die Leute zu suchen, mit denen man gerne zur Schule gegangen wäre, wenn man die Wahl gehabt hätte. Twitterer sind in dieser Hinsicht zu jedem Zeitpunkt sozialer als Nutzer anderer Netwerke: Sie vernetzen sich mit ihnen unbekannten Menschen aufgrund von deren kommunikativen Äußerungen und sind sehr oft auch realen Begegnungen mit diesen nicht abgeneigt, wie entsprechende Veranstaltungen zeigen.

Twitterer sind kreativer

Wer einmal eines der tausend auf Twitter geborenen Memes wie die #einbuchstabendanebentiere (um nur das populärste Mem der letzten Zeit zu nennen) mitverfolgt hat (die es in der Folge dann oft in Blogs oder sogar Holzmedien schaffen), wer einmal einen #JourFitz, eine Twitterlesung (zugegeben, selbige drehen sich auch des öfteren um die immer selben Protagonisten, die die immer selben, semilustigen Tweets vortragen) oder gar eine der Vernissagen von “Ich male meine Follower” besucht hat, der versteht vielleicht im Ansatz das massive kreative Potential, dass in der Beschränkung auf 140 Zeichen auf Twitter liegt und sich immer wieder in neuen Formen äußert. Gerade innerhalb dieser Grenzen seinen Weg zu finden und sich auszudrücken, bringt User jeden einzelnen Tag dazu, Zeichenkunst zu fabrizieren, Lyrik zu schreiben, Mini-Kurzgeschichten zu erfinden, Bürgerjournalisten zu werden, Fehlermeldungs-Screens in Lego oder als Gemälde nachzubauen (siehe den Failwhale über dem Artikel oder die zugehörige Flickr-Gruppe) oder gar eigene Tools und Plattformen zu entwickeln, die sich mit scheinbar banalsten Features auseinandersetzen, wie einen etwa einen hochgradig populären Dienst, der nur darauf basiert, Bilder auf Twitter zu posten. Twitter zwingt in seiner Reduziertheit zum Blick auf das Detail und auf die Feinheiten und fördert damit automatisch auch den kreativen Umgang damit. Anders ausgedrückt: Die professionelle “Infomaschine” Twitter ist nur ein winziger Ausschnitt aus den auf der Plattform stattfindenden Vorgängen.

Twitterer sind intelligenter

Wer die wiederum öffentlichen Charts auf Favstar, die im Gegensatz zu den informationslastigeren Toptweets eine Weile verfolgt, der kommt unweigerlich zu dem Schluss, dass Twitter-Nutzer nicht als Masse, aber partiell und in der Kernuserbasis, die klügeren Netzuser sind. Klickjacking, Spam und flacher Humor, wie man sie auf den anderen Netzwerken massenhaft antrifft, haben in Sachen Viralität auf Twitter kaum eine Chance, zu dem meistgefavten und verbreiteten Inhalten zählen neben News vor allem solche Tweets, die man in Teilen als literarisch bezeichnen kann, mindestens aber sehr intelligenter Humor und/oder aphoristisch genannt werden müssen. User, die sich hingegen eine Masse von Followern zusammenklicken wollen, um relevant zu erscheinen und ihre Inhalte zwangsweise an den Mann zu bringen, scheitern zwar meist nicht daran, diese Masse zu erzeugen, aber dennoch an der Relvanzschranke. Die 20000 Spam-Follower bei Menschen, die mit Follow-Unfollow ihre Basis aufbauen, sind zum Großteil uninteressiert an den Inhalten und erzeugen so keine echte Reichweite. Relevanz kann auf Twitter durch die tendenziell sehr kritische Nutzerbasis nicht einfach gefaked werden und diese systemimmanente “Qualitätssicherung” sorgt für hochwertigere (i.e. in diesem Sinne “intelligentere”) Inhalte, wenn man die Tools, um diese zu finden (beispielsweise Toptweets, Favstar, #ff Empfehlungen) entsprechend zu nutzen weiß. Und gerade diese hochwertigen Inhalte machen Twitter zu einem spannenden Medium. Nutzer, die reine News möglichst schnell bekommen wollen, sind sicher auch auf Twitter zu finden, den Reiz aber machen diejenigen Tweets aus, die Information mit kreativer Kommunikation und einsichtigen Kommentaren verbinden. Es ist kein Zufall, dass @saschalobo so massiv viele Follower hat, er twittert keine Nachrichten, sondern er kommentiert sie.

Twitterer sind kommunikativer

Knüpfen wir direkt bei den Follow Friday (#ff)-Empfehlungen an. Wann haben Ihnen Ihre Facebook-Freunde zuletzt regelmäßig wildfremde Menschen als Kontakte vorgeschlagen? Twitterer vernetzen sich nicht nur völlig unabhängig von der Komponente “realer Kontakt”, wie oben bereits ausgeführt, sondern sie kommunizieren auch über diese Grenze und sogar die Grenze der gegenseitigen Vernetzung auf der Plattform hinweg. Ich muss ein Unternehmen auf Twitter nicht zuerst “liken”, mich also selbst als Fan bezeichnen, um es zu kritisieren oder zu loben und ich muss nicht erst von Menschen die Erlaubnis bekommen, sie anzusprechen (i.e. Freundschaftsbestätigung), um mit ihnen zu reden. Das kommunikative Potential aller User auf Augenhöhe, das in hohem Maße genutzt wird, ist einer der massiven Vorteile des offenen Systems Twitter und sorgt für deutlich mehr Interaktion und Austausch als bei allen anderen Social Networks. Zudem posten Twitterer in deutlich höherer Frequenz und nutzen die systemeigenen Tools (Retweet und Fav) in einem “kommunikativeren Sinne”. Ein Retweet einer Meinungsäußerung ist ein viel deutlicherer Kommunikationsakt als das Weitersharen eines blanken Links mit Quellenangabe, was das Maximum dessen ist, was beispielsweise Facebook in dieser Hinsicht erlaubt. Twitter ist das damit Gegenteil von “steril”, es ist hochgradig lebendig durch permanent neu entstehende Beziehungen zwischen sich zuvor fremden Menschen.

Twitter bildet soziale Realitäten besser ab

Im realen Leben bedeutet Freundschaft: Du magst mich und ich mag Dich. Selbiges ist gleichermaßen der Grund, warum der Begriff sehr emotional besetzt ist und hochgeschätzt wird: Das Ganze passiert relativ selten. Im Internet aber sind wir mit hunderten Kontakten vernetzt, weil wir sie beruflich kennen, mit ihnen in irgendeiner Form einmal zu tun hatten und sehr oft auch aus dem Grunde, dass wir ihre Inhalte gerne lesen. Allerdings gilt natürlich auch hier: Wir sind nicht an allen Menschen in gleich starker Weise interessiert. Der Fall, dass ich mich für das interessiere, was Du zu sagen hast, Du aber keinerlei Interesse an meinen Äußerungen hast, ist in symmetrischen Netzwerken wie Facebook (im Fundament) nicht mitgedacht, er wurde erst im zweiten Schritt mit der Einführung von Filtern und Freundeslisten halbherzig nachgereicht. Twitter hingegen entschärft den potentiellen Konflikt, der dadurch entsteht, dass ich Dich gerne meine Inhalte mitlesen lassen will, nicht aber sehen will, wie Du Farmville spielst und Dich über das Wetter aufregst, durch asymmetrische Beziehungen. Twitter bildet damit die soziale Realität deutlich besser ab, ohne den in der Realität komplett anders besetzten Freundschaftsbegriff zu verwenden (der für viele Medien und einen Großteil der konservativeren oder weniger Informierten Netzuser immer noch eines der zentralen Argumente gegen soziale Netzwerke ist). Twitter ist hinsichtlich sozialer Strukturen realistischer, es “blutet nicht sozial aus”, sondern lebt viel mehr im Kern davon, soziale Strukturen sehr genau abzubilden.

Fazit: “In meinem Internet steht das aber nicht drin!!1eins”

Wie aber kommt nun @robgreen trotz eines sehr aktiven und sehr populären Accounts eigentlich zu seinem Urteil, dass Twitter eine sterile Infomaschine geworden wäre? Guckt man sich seine Timeline, also die User, denen er selbst folgt, genauer an, ist das nicht schwer zu erkennen: Er liest in der Hauptsache bei (wenngleich sehr kompetenten) Menschen mit, die Twitter als ein Werkzeug begreifen, um sich und ihren Content, ihre Blogeinträge und ihre Themen-Kompetenz (meist in Bezug auf digitale Felder) in die Social Media-Welt zu tragen, also jenen, die Twitter mindestens partiell als Linkschleuder und Eigendarstellungsinstrument gebrauchen. Auch diese Nutzer haben sich im Laufe der Zeit mehr und mehr professionalisiert und ihre Mechaniken verfeinert. Allerdings bilden sie, wie bereits erwähnt, nur einen Ausschnitt aus dem Mikrokosmos Twitter, man vergisst, wenn man ausschließlich solchen Usern folgt, die Basis, nämlich diejenigen Twitterer, die vor allem wegen Twitter selbst twittern und dort in jedem Tweet die kreativen Grenzen kurzer sprachlicher Beiträge neu ausloten. Man könnte diese User Aphoristiker nennen, wie in dem weiter oben verlinkten Artikel, kreative Schreiber trifft es am Besten. Genau jene Userbasis ist es, die Twitter im Kern ausmacht und das Netzwerk zu einem Pool von wilden, unkonventionellen und witzigen Ideen und täglich neuen Gedankensalti, kurzum: sehr liebenswert und deutlich “sozialer” als alle anderen Netzwerke, macht.

Anders ausgedrückt: Jeder ist seiner eigenen Timeline Schmied. Wer wie Robert seinen Twitteraccount als “sozial steril” empfindet, dem sei dringend angeraten, ein paar “Businessaccounts” zu entfernen (der @13stock reicht für alle Social Media News-Bedürfnisse ;)…) und sich ein paar “kreative” Twitterer in die eigene Timeline zu holen. Folgen diese Menschen nicht zurück, dann hilft auch ein Blick auf die eigenen Tweets und die Frage, ob man vielleicht nicht selbst zu den “sterilen” Accounts zählt.

Nicole Pingel schrieb am 17. März 2011 zuNews, People

Der 13. Stock sucht Praktikanten


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Moritz Avenarius schrieb am 1. August 2010 zuNews, People, Social Networks

Social Media grenzenlos: von twitternden Großmüttern und der Frage, wie alt eigentlich Facebook ist

Plötzlich und unerwartet war es sicher nicht, doch das Soziale Netz trauerte, als vergangene Woche bekannt wurde, dass Ivy Bean – im stolzen Alter von immerhin 104 Jahren – ihren letzten Tweet gesendet hatte. Die rüstige alte Dame, die im Jahr 2007 mit der Eröffnung ihres ersten Facebook Accounts (Twitter folgte ein Jahr später) der Social Media Szene beitrat, beteiligte sich bis zuletzt regelmäßig an vielen Diskussionen im Netz. Im Laufe der Jahre sammelte Ivy Bean als „IvyBean104“ fast 63.000 (darunter teilweise zumindest gefühlte z-prominente) Follower, die das Leben der betagten Britin verfolgten, ihre insgesamt weit über 1000 Tweets „retweeteten“ und Bean in der vergangenen Woche auch posthum ein „Social Denkmal“ setzten – zahlreiche Beileids-Tweets wurden verschickt und Facebook Pages gegründet, um ihrer zu gedenken.

Nicht nur das Beispiel von Ivy Bean, sondern auch aktuelle Statistiken beweisen, dass Social Media längst weit über die Teen- und Twen-Generationen hinaus reicht. Allein meine persönliche Freundesliste auf Facebook hat sich längst zu einem kunterbunten Mehr-Generationen-Verzeichnis entwickelt. Was mich zunächst verwunderte: Befreundete Kinder, Katzen und Bekannte meiner Eltern nutzen die Plattform oft sogar wesentlich häufiger und aktiver als meine Freunde aus Schul- und Unizeiten. Verrückte Welt oder schlichtweg ein weiterer Beweis dafür, dass Social Media Menschen global auch über Altersgrenzen hinaus vernetzt?

Das amerikanische Unternehmen Pingdom förderte kürzliche interessante Statistiken zutage, in denen die Altersstruktur von US-Social Networks aufgeschlüsselt und anschaulich visualisiert wurde. Ein Viertel aller User ist dabei in der Altersgruppe der 35-44 angesiedelt – das sind 7 Prozent mehr als User zwischen 25 und 34 vertreten sind. Auch die 55 bis 64-jährigen, also die Generation meiner Eltern ist mit 10 Prozent häufiger in sozialen Netzwerken vertreten als die 18 bis 24-jährigen. Überraschende Ergebnisse? Schon irgendwie, wenn man bedenkt, dass insbesondere letztere als “Generation Internet” bekannt sind.

Dabei ist Plattform nicht gleich Plattform. Schätzungen von Pingdom zufolge ist das amerikanische Netzwerk Bebo mit einem Altersdurchschnitt von 28 Jahren das Jüngste unter seines Gleichen. Der Durchschnitts-Facebooker bzw. Twitter-User ist 38 bzw. 39 Jahre alt und jene, die auf Classmates.com nach alten Klassenkameraden suchen zählen im von Pingdom ermittelten Schnitt 45 Lenze. Es scheint: Je interaktiver und unterhaltungslastiger die Plattform, desto niedriger der Altersschnitt ihrer User. Das Business-Netzwerk LinkedIn weist einen Durchschnitt von 44 Jahren auf – das sind vier Jahre weniger, als der amtierende US-Präsident Barack Obama auf dem Buckel hat und ganz sicher einpaar Jährchen mehr, als manch Hollywood-Sternchen je öffentlich eingestehen würden.

Insbesondere für Marketingexperten, die sich intensiv mit Social Media und Zielgruppenanalysen auseinandersetzen, sind die Statistiken nicht nur informativ, sondern bares Geld wert. So können Usergruppen einfacher analysiert und demografisch geclustered und Kampagnen und Informationsangebote auch im Social Web zielgruppengenau platziert werden. Und mal ehrlich, auf Facebook mit der amerikanischen Gast-Oma zu chatten ist schon irgendwie cool … ähm … „lovely“, oder?

Moritz Avenarius schrieb am 11. Juli 2010 zuNews, People, Social Networks, Unkategorisiert

David Cameron 2.0 – oder: Wie sich die britische Politik der Social Media bedient

Dass Groß Britannien’s Premier David Cameron in vielerlei Hinsicht besser vernetzt ist als das englische Fußballteam bei der WM (dieses musste bekanntermaßen im Achtelfinale gegen unsere Jungs vier Bälle im eigenen Netz akzeptieren und daraufhin die “homeward journey” antreten) wurde in der vergangenen Woche deutlich, als Cameron via Social Media die Bürger aufrief, sich mit kreativen Ideen, die Einsparungsmöglichkeiten des Haushaltes betreffend, an seine Regierung zu wenden. Dabei bediente sich Cameron geschickt zahlreicher Kanäle. Während der Blog der Konservativen am Freitag zum so genannten “Spending Challenge” (zu deutsch: Ausgabe-Wettbewerb) aufrief und unter den Lesern für Partizipation warb, wurde zeitgleich auch auf Cameron’s 74,605 ‘Liker’ starken Facebook-Fanpage der Wettbewerb beworben.

Um dem Ganzen noch eine Prise Menschlichkeit und britischen Humor einzuhauchen, wandte sich David Cameron in einer knapp 3-minütigen Video-Konferenz mit Facebook-Co-Founder Mark Zuckerberg (Typ: Abiturient, 1,1, Mathe und Chemie-LK), die unter anderem auf Youtube einsehbar ist, indirekt an das britische Volk. In dem Gespräch bedankte sich Cameron bei einem imaginären Pint Bier bei Zuckerberg dafür, dass dieser durch seine Mitbegründung Facebooks quasi ein virtuelles Wohnzimmer zur Verfügung stellt, in dem Menschen sich versammeln und mitentscheiden können – und damit die in der Politik leider so oft vorherrschende “Top-Down”-Taktik zu Gunsten von Entscheidungen aus dem Volk (“Bottom-Up”) revolutioniert. Der Kommunikationsprofi Cameron (arbeitete jahrelang im Management von Carlton Communications) wirkte dabei sichtlich entspannt und freute sich, dass durch die Kommunikation via Facebook ganz im Sinne der Sparmaßnahmen auch die Kosten für seine eigene Website sinken. Auch Mark Zuckerberg, der von der kumpelhaften Art des Premiers zu weilen leicht überwältigt wirkte, lobte die Eigenschaft seines Netzwerkes, interessierten Menschen ein Forum zu bieten, über das sie ihre Kreativität und Energie konstruktiv mit anderen teilen und für andere einsetzen können. Beide lobten den “Civic Spirit” und die großartige Partizipation, die Social Media in den Bürgerinnen und Bürgern weckt.

Ob’s funktioniert? Der “Spending Challenge” erfreut sich bereits einiger origineller Ideen: Ganz gleich, ob es dabei um die Umstrukturierung der Müllentsorgung oder eine budgetbedingte Absage der Olympischen Spiele 2012 geht – kreativ sind die sparfreudigen Briten allemal. Es bleibt auf jeden Fall spannend zu beobachten, ob unsere Politiker sich von Cameron und seinem Team vielleicht in Zukunft eine virtuelle Scheibe abschneiden sollten in Punkto Online Kommunikation und die Nutzung von Social Media.