Archiv für die Kategorie „Online Trends“

Sebastian Baumer schrieb am 22. Juni 2010 zuNews, Online Trends, Tools

Apple iOS4 – Die Funktionen des neuen iPhone-Betriebssystems im Überblick

iOS4 ist veröffentlicht und hält nach und nach Einzug auf aller Phones. Wir haben uns die wichtigsten Funktionen von Apples neuem Betriebsystem in Ruhe angeguckt.

Wallpaper auf dem Home-Screen

Fangen wir mit den optischen Verschönerungen an: Es mag auf den ersten Blick nicht wirklich von Bedeutung sein, dass man neuerdings neben dem Lock-Screen auch auf den Home-Screen eigene Wallpapers legen kann. In der Praxis allerdings trägt es viel zum neuen Look & Feel des iPhones mit iOS4 bei, dass hinter den App-Symbolen nicht mehr die gähnende schwarze Leere lauert. Zum Einstellen des zweiten Wallpapers navigiert man wie gewohnt unter Einstellungen > Hintergrundbild und kann dann zwischen vorinstallierten Varianten und den eigenen Photo-Ordnern frei wählen. Bei der Auswahl des Hintergrunds für den Home-Screen ist vor allem darauf zu achten, ein eher gleichartig strukturiertes, texturartiges Bild zu wählen, schließlich sieht man davon am Ende vor allem die Stellen, die sich in den Zwischenräumen zwischen den Apps befinden.

Folders für Apps

Eine der zentralen Funktionen des neuen Betriebssystems ist die Möglichkeit, Apps in Ordner zu jeweils maximal 12 Elementen zu gruppieren. Das funktioniert relativ intuitiv: Einfach eine App über die andere ziehen, schon verbindet das neue Betriebssystem die beiden Anwendungen zu einem Ordner, der je Kategorie der verwendeten Programme mehr oder minder sinnvoll benannt wird. Das Umbenennen bzw. Sortieren innerhalb eines Folders stellt kein Problem dar: Wie gewohnt etwas länger eine App innerhalb eines Ordners antippen und schon kann man auch dort wieder sortieren, den Namen der Sammlung anpassen oder einzelne Apps wieder aus dem Ordner entfernen (indem man sie einfach heraus zieht). Der Ordner löscht sich übrigens selbst, wenn man die letzte App daraus entfernt. Leider sind die einzelnen Folder wie erwähnt begrenzt, was in einigen Fällen leider dazu führt (wenn man etwa viele Social Media-Programme wie zb. Twitter-Clients parallel nutzt), dass man Ordner für den selben Zweck doppelt anlegen muss. Ein persönlicher Tipp zur Verwendung: Es macht Sinn, auf der ersten Seite des iPhones die 16 meistgenutzen Apps ohne Ordner abzulegen und dann auf den weiteren Pages den ganzen Rest in Ordner zu packen, so hat man auf alle Anwendungen den bestmöglichen Zugriff. Neuerdings kann man außerdem auch im Standard-Dock Buttons herausnehmen und andere hineinlegen, was aber wenig Relevanz in der Praxis haben sollte (die dort liegenden Funktionen Telefon, Safari, Mail und iPod dürften wohl für einen Großteil der User zu den meistgenutzten Features des iPhones gehören).

Multitasking-Dock

Die zweite große Neuerung bei iOS4 ist die Möglichkeit zum Multitasking. Per Doppelklick auf den Home-Button öffnet sich jetzt (auch wenn man bereits innerhalb einer Anwendung ist) ein zweites Dock, das die zuletzt verwendeten Apps anzeigt, die per Klick in dem Zustand, in dem sie zuletzt verlassen wurden, wieder geöffnet werden können. Per Swipe nach Rechts im Multitasking-Dock stehen dabei scheinbar unbegrenzt sämtliche Apps zur Verfügung, die irgendwann benutzt und geschlossen wurden. Bei einem längeren Klick auf eine der Apps in eben dieser Leiste erscheint auf allen noch geöffneten Anwendungen ein kleines Minuszeichen, das die Möglichkeit anbietet, diese endgültig zu schließen. Etwa fragwürdig ist dabei, dass wirklich alle verwendeten Apps beim Verlassen in die Multitaskingleiste gelegt werden und sich dort nach und nach ansammeln. Sinnvoller wäre vielleicht eine Lösung, bei der man per Doppelklick innerhalb einer App diese in die Multitasking-Leiste legt und nicht per Default beim Schließen.

Rotations-Sperre und iPod-Direktzugriff

Zieht man eine Seite nach links im Multitasking-Dock, so kommt man auf ein gänzlich neues Menü. Dort befinden sich zwei weitere Neuerungen von iOS4: Die Rotations-Sperre, die nach dem iPad nun auch auf dem iPhone Einzug hält und der direkte Controller für die iPod-Funktionen. Mit letzterem kann man direkt beim zuletzt abgespielten Musikstück oder Album wieder einsteigen, einen Titel vor oder zurück springen oder auf den iPod an sich zugreifen, der mit dem iOS4 auch dazu in der Lage ist, Wiedergabelisten zu erstellen. Bereits auf dem iPad bewährt hat sich die Rotations-Sperre, die verhindert, dass sich etwa beim Lesen im Bett der Screen ständig dreht. Etwas unglücklich ist allerdings, dass man das iPhone nur im Portrait-Modus locken kann, klickt man im Landscape-Modus auf den neuen Button, so springt das ganze zurück in den vertikalen Modus und sperrt sich eben dort.

Weitere Funktionen

Weitere Funktionen von iOS beinhalten unter anderem die Möglichkeit der Anbindung einer Bluetooth-Tastatur (die reibungslos funktioniert), die neue Rechtsschreibprüfung, die auf alle Programme ausgedehnt wurde, die neue App iBooks, die auch auf dem iPhone eine passable Figur macht und die neuen Mail-Funktionen, die nun auch Threaded Conversations und den Posteingang sämtlicher eingepflegter Postfächer auf einen Klick sowie das Öffnen von Dateianhängen in den dazu passenden Applikationen beinhalten. Eher sinnbefreit ist der neue 5-fach Digitalzoom für die Standard-Photoanwendung, der erstens in der Form bereits in Drittanwendungen zu haben war und zweitens, und das liegt in der Natur von „digitalen Zooms“, im Grunde nur eine Ausschnittvergrößerung aus dem aufgenommenen Photo ist.

Fazit

Das neue iPhone-Betriebssystem iOS4 ist sicherlich keine richtig große Revolution, läuft aber auch auf dem iPhone 3G S sehr stabil (Geschwindigkeitseinbußen oder Probleme sind in keinerlei Hinsicht zu bemerken) und erleichtert in derart vielerlei Hinsicht den täglichen Umgang mit mit Apples Mobiltelefon, dass man nach einiger Zeit nicht wieder auf die alte Version zurück will. Gerade die neue Ordnerstruktur macht es einfach, auch eine große Menge an Anwendungen sinnvoll zu verwalten, die nun allesamt mit maximal drei bis vier Klicks erreichbar sind (Swipe zur Seite, auf der der Ordner liegt > Ordner öffnen > App öffnen). Das groß angekündigte Multitasking-System bedarf allerdings noch einiger Überarbeitung, auch wenn es auf dem richtigen Weg ist. Einzig schade, dass das neue Betriebssystem erst im Herbst auch auf dem iPad Einzug halten soll.

Sebastian Baumer schrieb am 14. Juni 2010 zuMicroblogging, News, Online Trends, Social Networks

Prismablick (3): Social Media Links und News der Woche

War was? Die letzten 14 Tage wie gewohnt im Prismablick:

1. Twitter, WM und Vuvuzela

Die Fußball-Weltmeisterschaft hat auch Twitter fest im Griff. Eine eigens eingerichtete, offizielle Twitter-Seite zur WM darf da genau so wenig fehlen, wie diverse Accounts (zb. der von Twittkickers) rund um das Event und die Option, über Hashtags kleine Fähnchen der Nationen in seine Tweets zu integrieren. Einen großartigen interaktiven Spielplan haben wir derweilen hier ausgegraben. Der nervigste Part der ganzen WM ist außerdem inzwischen auch als App für iPhone und iPad zu bekommen, ein Filter gegen die Tröt-Geräusche der Vuvuzelas ist auch schon einsatzbereit.

2. Ministerpräsidenten beschließen das Kindernetz

Die deutsche Politik entfernt sich mit ihrer Internetgesetzgebung wieder einen Schritt mehr von jeder Realität: Sogar die großen Blätter erkennen das inzwischen, so betitelt auch Spiegel Online seinen Artikel zum beschlossenen Jugendmedienschutzstaatsvertrag (JMStv) in Anlehnung an das auf Twitter geborene Wortspiel vom “Kindernet”. Die an Absurdität grenzenden Forderungen des Gesetzes lösen allerorten Kopfschütteln aus: Alterskennzeichnung und technische Barrieren für alle Internetangebote, die in irgendeiner Form die Jugend beeinträchtigen könnten oder alternativ nur spätabendliche “Öffnungszeiten”.

3. Apple Keynote: iOS4 und das neue iPhone 4

Richtig überraschend war nicht viel auf der in der letzten Woche stattgefundenen Apple-Keynote. Und dennoch: Das, was Steve Jobs präsentierte, wirkte mehr als nur solide: Das neue iPhone 4 glänzt mit einigen beeindruckenden neuen Features (u.a. HD-Video und ein Display mit 78% der Pixel des iPad), das fast gleichzeitig erscheinende Betriebssystem iOS4 (vollwertig auch mit dem 3G S benutzbar) kann endlich Multitasking und iBooks, das auch auf das iPhone kommt, bekommt einige bisher fehlende Funktionen nachgeliefert.

4. Twitter plant eigenen URL-Shortener und will Links in Zukunft anders zählen

Ist das der Anfang vom Ende der ganzen URL-Shortener, die sich rund um Twitter eingerichtet haben? Der Microbloggingdienst plant nach einem Bericht von Mashable, demnächst seinen eigenen Shortener t.co zu launchen. Als weiteres Feature sollen Links nicht mehr in der bisherigen Art in die 140 Zeichen eingerechnet werden, so dass man demnächst wohl etwas mehr Platz für Tweets hat, die mit Links versehen sind.

5. Zahlen zur Auswirkung des Like-Buttons auf Blog-Traffic

Ganze 50% Zuwachs für Blogs nur wegen des Like-Buttons? Diese beeindruckenden Zahlen veröffentlichte der Blog-Hoster Typepad gestern. Demnach sollen die User, die eben den Facebook-Button auf ihren Blogs installiert haben, einen deutlichen Zuwachs an Besuchern bemerkt haben. Ob das so einfach auch auf andere Angebote zu übertragen ist, ist sicher fraglich, aber die engere Vernetzung mit der Plattform, auf der sich die meisten User aufhalten, scheint zu funktionieren.

Bonus: Gadgetnight Hamburg

Nach dem (vorläufigen) Ende der Twittnite bekommt Hamburg ein neues Netz-Event: Am 1. Juli wird zum ersten Mal die von Sven Wiesner (@svenwiesner) und Martin Schumacher (@keineantwort) organisierte Gadgetnight stattfinden. Bei dem inzwischen bereits ausgebuchten Event (wer noch teilnehmen will, sollte ab und zu einen Blick auf die Teilnehmerliste auf Xing werfen, erfahrungsgemäß springen auch immer wieder Leute ab) soll es ganz um technische Spielzeuge aller Art gehen. Wir sind gespannt.

Sebastian Baumer schrieb am 31. Mai 2010 zuMicroblogging, News, Online Trends, Social Networks

Prismablick (3): Social Media News und Links der Woche

Montags kurz mal umdrehen und innehalten: Der Prismablick mit den Social Media- und Netzwelt-Links, News und Artikeln der vergangenen Woche.

1. Neue Privacy-Funktionen bei Facebook

Es ist ganz sicher nicht Ilse Aigners Verdienst, dass Mark Zuckerberg in Sachen Privacy bei Facebook zurückrudert: Nachdem es die sich mehr und mehr in Richtung „Public by Default“ bewegende Plattform mit eben der Debatte sogar auf das Cover des Time Magazine geschafft hat, lenkt Facebook ein und implementiert flugs ein paar Vereinfachungen: Mit nur ein paar Klicks kann der Nutzer seine Einstellung kontrollieren und entscheiden, was er mit wem teilt. Konnte man vorher zwar schon, aber jetzt findet auch Otto Normaluser die richtigen Knöpfchen.

2. Google TV angekündigt

Der Suchmaschinengigant expandiert weiter: Nun soll auch das klassische Fernsehen in die Hände von Google kommen. Anfang der letzte Woche stellte man das passende Konzept vor: Google TV soll das Web, zeitversetztes Gucken von Inhalten und die beliebtesten Video-Plattformen nahtlos mit dem gewöhnlichen Fernsehen verschmelzen und so den Spaß bei der Nutzung des großen Fernsehschirms mit dem Komfort bei Netzvideos zusammenführen. Man darf gespannt sein.

3. Apples iPad erreicht Deutschland

In aller Munde bzw. Hände ist seit diesem Freitag Apples neues Wundergadget iPad (zumindest bei denjenigen, die es schnell genug in die Läden geschafft haben um eines der wenigen ausgelieferten Geräte zu ergattern). Artikel zur besten Social Media-Strategie und zu den spannendsten Apps gibt es inzwischen zuhauf. Und sogar Katzen nutzen das Gerät bereits zum Spielen und Musizieren.

4. BVDW: Social Media-Werbung wird 2010 weiter zunehmen

Die Umfrage „Trend in Prozent“ des Bundesverbands der digitalen Wirtschaft zeigt, dass ganze 80% aller befragten Unternehmen eine auch in diesem Jahr nach oben zeigende Kurve bei ihren Marketings-Budgets im Bereich Social Media beobachten. Wir wollen hoffen, dass man statt „Werbung“ das Geld doch eher in innovative Marketing-Konzepte steckt, die auch Mehrwert für den User haben.

5. Unternehmen in Deutschland fehlen gute Social Media-Konzepte

Passend zum vorherigen Link: In einem sehr interessanten Artikel auf Carta geht Florian Paulus Meyer nicht nur anhand des aktuellen Cases BP der Frage nach, was diverse Firmen eigentlich in den Social Media so treiben und kommt zu dem Schluss, dass die Wirtschaft weiter an zentral gesteuerter Kommunikation festhält und hauptsächlich aus Prestige- und Imagegründen dort ihre Accounts unterhalten.

Bonus: Flowr @13stock

Nachdem wir in der letzten Ausgabe des Social Media Explorer hier über das Kollaborationstool berichteten, kamen wir relativ bald auf den Gedanken, das Tool testweise für einige unserer eigenen Projekte zu nutzen. Und sind bisher sehr zufrieden damit: Flowr wirkt nicht nur in Sachen Handling wie eine Mischung aus Facebook und Twitter, es ist intuitiv zu bedienen und erleichtert in bestimmten Bereichen die interne Kommunikation enorm.

Sebastian Baumer schrieb am 20. Mai 2010 zuNews, Online Trends, Social Networks

Wer checkt wen ein?

Neue Mitspieler und Entwicklungen bei den Location-based Networks

Kein Zweifel mehr: „Location is the missing link“, wie es Techcrunch schon Ende des letzten Jahres formulierte. Das fehlende Glied in der Kette zwischen echtem Leben und Online-Identität. Und immer mehr Dienste bemühen sich darum, diese Lücke zu schließen: SimpleGeo, ein Start-Up, das sich ausschließlich darum kümmert, Entwicklern zu helfen, Location-Features in ihre jeweiligen Applikationen zu integrieren, hat vor einigen Tagen mehr als 8 Millionen Dollar an neuen Finanzspritzen von verschiedenen Investoren erhalten. Das Location-based Network Foursquare und dessen schärfster Konkurrent Gowalla gehören schon seit längerer Zeit zu den Anwärtern auf den Titel der angesagtesten und am schnellsten wachsenden neueren Web-Anwendungen und sind wohl längst nicht am oberen Ende ihrer Reichweite angekommen, denn das vorhergesagte Wachstum auf dem Smartphone-Markt ist gleichermaßen beeindruckend. Und eine ganze Reihe neuer und alter Kandidaten würde ebenfalls gerne mitmischen im Konkurrenzkampf darum, welchen der Dienste die User benutzen, wenn sie sich an realen Orten einchecken.

Sonderweg oder Verirrung?

Eigentlich war es angesichts dieser Ausgangslage nur noch eine Frage der Zeit, bis auch ein deutscher Klon der Location-Dienste auftauchen würde: Friendticker heißt das kürzlich gestartete mobile Netzwerk, das sich mit dem früheren StudiVZ-Chef Markus Berger-de León einen in der Netzwelt bekannten Investoren gesichert hat. Die Grundfeatures des Dienstes ähneln denen der amerikanischen Konkurrenten, im Gegensatz zu diesen startet Friendticker allerdings direkt mit diversen Kooperationen (ein Punkt, den Foursquare und Gowalla auf dem internationalen Markt leider etwas verschlafen haben, auch wenn nach und nach die ersten Partnerschaften und Experimente in Gang kommen), so dass statt virtueller Goodies und rein ideeler Kämpfe um die Mayorschaft an einem Ort handfestere Dinge durch das Sammeln von „Items“ zu erhalten sind. Dass es sich bei diesen derzeit leider vor allem um Download-Gutscheine (deutlich an der Grenze zur Peinlichkeit ist dabei beispielsweise das „Digital Boheme-Item“ für fünf Check-Ins im St. Oberholz in Berlin, für das man eine kostenlose iPhone-App von Red Bull herunterladen „darf“), relativ geringe Rabatte für Einkäufe und Ähnliches handelt, scheint die wachsende Userschaft vorerst nicht zu stören. Ob man damit allerdings wirklich auch langfristig eine Chance im Kampf um Check-Ins hat, bleibt doch eher fraglich. Besonders innovativ gibt sich Friendticker jedenfalls nicht.

Der unbekannte Bekannte

Möglicherweise geht der internationale Kampf um die mobilen Netzwerker aber auch sehr bald erst richtig los, denn ein neuer, sehr gewichtiger Mitspieler in der Kategorie des Location-Networking steht kurz vor dem Start seines Dienstes: Facebook. Bereits mehrfach wurde eine derartige Erweiterung der Social Plattform angekündigt, in den nächsten Wochen wird sie allem Anschein nach freigeschaltet werden. Aus Sicht von Facebook ist ein derartiges Feature der nächste logische Schritt, der auf Public Pages, die Umstellung auf einen Stream, die Reduzierung desselben auf einen News-Feed zur Filterung des Lärms, die kürzlich hinzugefügten, Wikipedia-artigen Community-Pages und schließlich den global einsetzbaren Like-Button folgt: Erneut wird ein Dienst, der sich anderswo als sehr erfolgreich erwiesen hat, in das eigene Angebot integriert. Die Facebook-App, erhältlich für alle Arten von Mobiltelefonen, dürfte sowieso eine der weit verbreitesten Apps überhaupt sein – was also liegt aus Sicht von Mark Zuckerberg näher, als in dieselbe gleich jene Funktionen zu integrieren, für die die User sonst eine weitere Anwendung nutzen müssten?

Und Twitter?

Und was tut Twitter? War da nicht was mit Geotagging von Tweets a la Google Buzz? Die Geotagging API des Microblogging-Anbieters ist zwar bereits seit einiger Zeit verfügbar, konnte aber bisher nur über Zusatzapplikationen genutzt werden. Twitter selbst bot bis gestern noch nicht die Möglichkeit, Tweets von einem bestimmtem Ort zu versenden und mit Geokoordinaten zu versehen. Mit der neuen, schlicht „Twitter“ getauften, offiziellen Anwendung (eine Weiterentwicklung des kürzlich aufgekauften Dienstes Tweetie), die seit gestern in Apples App-Store erhältlich ist, hat sich das geändert: Bereits beim Absetzen des Tweets kann, wenn der Account entsprechend konfiguriert ist, der Standort eingebettet werden, was durch das Symbol einer roten Nadel in der Timeline der App angezeigt wird. Beim Klick auf den Tweet erscheint unterhalb desselben dann eine implementierte Google Map mit dem genauen Ort, von dem aus die Kurznachricht gepostet wurde.

Die Frage in der nächsten Zeit dürfte damit nicht mehr lauten, wer denn wo eingecheckt hat, sondern vielmehr womit. Die Möglichkeiten werden deutlich vielfältiger.

Sebastian Baumer schrieb am 10. Mai 2010 zuMicroblogging, News, Online Trends, Social Networks

Prismablick (1): Social Media Links und News der Woche

Ab heute neu und immer wöchentlich: Der Prismablick mit den Social Media- und Netzwelt-Links, News und Artikeln der vergangenen Woche.

1. Google im neuen Look: A Spring Metamorphosis

Alles neu macht der Mai: Google relauncht die Suchergebnissseite und ergänzt sie mit einer kontextbezogenen Navigationsleiste auf der linken Seite, die die bereits vorhandenen Features zur Verfeinerung der Suchergebnisse, wie etwa die Blogsuche, deutlicher in den Fokus rückt.

2. Embeddable Tweets

Nach längerer Innovationslosigkeit führt auch Twitter eine neue Funktion ein: Musste man bisher einen Screenshot machen, um einen Tweet in einem Blogpost oder auf einer Webseite zu zitieren, so bietet Twitter neuerdings die Funktion, einzelne Tweets einzubetten. Leider ist das allerdings (noch) nicht mit einem Klick zu bewerkstelligen

3. „Abschied vom Besten“

Katrin Passig schreibt in einem sehr lesenswerten Artikel über Filter- und Suchfunktionen im Netz, die mehr und mehr von den alten automatisierten Suchroutinen zu kollaborativen Systemen der Filterung von Content werden. Als vorbildliches Beispiel dient dabei das nicht auf wechselseitige Beziehungen ausgelegte Twitter.

4. The Evolution Of Privacy On Facebook

Eine der besten Infografiken seit längerer Zeit, die auch die härtesten Datenschutzwahnskeptiker kurz ins Grübeln bringt: Matt McKeon zeigt eindrucksvoll und interaktiv, wie die Plattform Facebook in den letzten 5 Jahren nach und nach den Content seiner User per Default immer mehr in Richtung „public“ verschiebt.

5. Neues Datenleck bei SchuelerVZ

Eine neue Runde zum Thema Datensicherheit in den VZ-Netzwerken: Wieder hat ein Student mit einem selbstprogrammierten Crawler automatisiert Profile ausgelesen. In dem Fall, der über Netzpolitik in der letzten Woche bekannt wurde, sogar ganze 30% aller Nutzerdaten auf SchuelerVZ.

Bonus: Der unaufhaltsame Aufstieg des Social Networks FORMsquare

In einer treffenden wie unterhaltsamen Satire beschreibt Sascha Lobo den archetypischen Weg eines fiktiven Social Media-Dienstes im deutschen Netz. Inzwischen existieren natürlich auch Facebook-Seiten, entsprechende Gruppen und ein Twitter-Account für das nicht existente FORMsquare. Klar, oder?

13. Stock schrieb am 30. April 2010 zuEvents, Online Trends

Das Potential in Social Media. Oder: Viel heiße Luft beim Social Media Club.

Gestern Abend war es wieder soweit. Der Social Media Club Hamburg (SMCHH) öffnete seine Pforten. Genauer gesagt, ethority öffnete die ihren, denn die Kollegen waren so freundlich, ihre zentral gelegenen Büroräume nebst Innenhof in der Hamburger City erneut für die Durchführung dieses Szene-Events zur Verfügung zu stellen. Diskutiert werden sollte unter der Moderation von Zukunftslotse Moritz Avenarius die Frage “Social Media – viel heiße Luft oder enormes Potential?”.

Zwischen 40 und 50 Personen waren der Einladung gefolgt. Erst füllte sich der Innenhof des ethority Büros zum Networking und eine gute halbe Stunde später ging dann die eigentliche Diskussion los, die von Anfang an sehr kontrovers und leidenschaftlich geführt wurde. Ich hatte zwar den Eindruck, dass die Kernfrage nicht immer im Fokus der Antworten stand, war aber wieder einmal nicht überrascht, dass keine allgemein akzeptierte Definition von Social Media gefunden wurde. In der Tat äußerte jede/r seine und ihre Definition als Einstieg und schnell wurde klar, dass Social Media eben in aller Munde, eine Beschreibung insbesondere Kunden gegenüber für viele jedoch noch sehr schwierig ist.

Gerne hätte ich Veranstaltung und Diskussion bis zum Ende verfolgt, musste mich aber vorzeitig ausklinken und habe beim Gehen noch kurz auf einen Kommentar von @Jormason mit einer eher provokanten These via Twitter reagiert:

Social Media - viel heiße Luft? Kommt immer darauf an, wer gerade darüber spricht.

Die Quintessenz nach 15 bis 20 Redebeiträgen war für mich in großen Teilen deckungsgleich mit Ergebnissen eines internen Workshops Mitte Januar 2010, bei dem wir uns im 13. Stock die Frage gestellt haben, “Ist Social Media etwas, mit dem Sie sich beschäftigen müssen?” Zielsetzung war, diese Frage Kunden und Interessierten zu deren Zufriedenheit beantworten zu können. Wir stellten fest, um diese Frage beantworten zu können, muss man sich zunächst fragen: “Was ist das eigentlich – Social Media?”

Zwei Grundannahmen liegen der Antwort auf diese Frage zu Grunde. Zum einen ist Social Media eine Entwicklung, dem stetigem Wandel unterworfen. Anders als z.B. das Radio oder der Fernseher ist Social Media keine Erfindung, sondern eine Konsequenz aus der technischen Heranreifung und der damit einhergehenden immer besseren Verfügbarkeit des Internets. Das Internet versetzt erstmal in der Geschichte der Menschheit theoretisch jeden Menschen in die Lage mit einer beliebigen Anzahl anderer Menschen in Echtzeit zu kommunizieren. Zum anderen spiegelt sich in Social Media die Gesellschaft, denn die zunehmende Fragmentierung und Individualisierung der Gesellschaft bildet sich auch in den Portalen und Communities ab, sprich in den Medien, über die Kommunikation von Interessensgemeinschaften stattfindet.

Fazit: Social Media ist mehr als nur heiße Luft, abhängig aber davon, wer gerade drüber spricht.