Archiv für die Kategorie „News“

Sebastian Baumer schrieb am 15. Mai 2012 zuApps, News

Verbindungsprobleme – Zum Start der Social TV-Sendung “Rundshow”

Es ist ein relativ guter Indikator für den Fortschritt des Internets, zu beobachten, wie viele Blogger trotz ihres Dauermantras vom Sterben der alten Medien noch ins Fernsehen wollen, weil es dort “ein bisschen” mehr Reichweite und Reputation abzuholen gilt. Ein neuer und relativ großangelegter Versuch, TV und Internet multi-crossmedial zu verschmelzen, startete gestern Abend ausgerechnet im etwas angestaubten Bayerischen Rundfunk und zeitgleich live im Netz auf einem undankbaren Sendeplatz um 23 Uhr.

Die “Rundshow” mit Blogger und Apple-Fan Richard Gutjahr sowie Podcaster und Radiomann Daniel Fiene, lange vorab über alle Kanäle und auf der re:publica angekündigt, tritt an, um endlich das ins Programm mit einzubeziehen, was sowieso passiert: Die permanente Kommentierung und Diskussion von TV-Sendungen über Twitter und Co. “Das vielleicht größte TV-Experiment des Jahres” bloggte folgerichtig auch Berufshysterikerkommentator Thomas Knuewer im Vorfeld.

In der Realität sah die leider nur 30minütige “Start Up im TV”-Sendung leider deutlich weniger spannend und auch viel weniger experimentell aus: Die beiden Moderatoren saßen in einem optisch leicht finster geratenen Studio, Anmoderation, Clips und Interviews wechselten sich in klassischer Manier ab, das Ganze erinnerte an eine noch etwas epileptischere Version von Gottschalk Live: Schnelle Übergänge zwischen vorab produzierten Inhalten und hastig geführte Gespräche über Skype und Google Hangout mit einer Menge Verbindungsproblemen, von denen am Ende der Sendung leider nur sehr wenig beim Zuschauer hängen blieb, trotz des vermeintlich sehr ergiebigen Themenfadens der Occupy-Bewegung in Spanien. Der Tiefpunkt der Sendung war erreicht, als der Aktivist, Holocaustüberlebende und Autor Stéphane Hessel interviewt wurde: Das Team filmte einen sehr kurzen und wackelig-hakeligen Skypevideochat auf einem iPad ab, das Medium “Netz” wurde an der Stelle leider vollends zum Selbstzweck der Sendung, nach dem Motto: “Hey, wir benutzen hier ein iPad und haben total viele Follower auf Twitter, das sollte als Konzept reichen, Inhalte kommen erst an zweiter Stelle”.

Auch das interaktive Element der Sendung war dürftig – abgesehen von den Hangout-Interviewpartnern (über die man so gut wie nichts erfuhr – waren sie zufällig ausgewählte Nutzer zum Thema oder schon vorab gesuchte Personen?) beschränkte es sich vor allem darauf, dass die Nutzer mittels einer eigens dafür produzierten Smartphone-App namens “Die Macht” mit ein paar Knöpfen fortlaufend ihre Zustimmung und Ablehnung zum Bildschirmgeschehen kundtun konnten. Am Ende wurde weniger als zehn Sekunden lang die passende Statistik dazu eingeblendet, ohne näher darauf einzugehen. Eine Hardware-App für das Fernsehen, die noch etwas interaktiver als “Die Macht” ist, gibt es allerdings schon: Sie nennt sich Fernbedienung und man kann damit mit nur einem Klick zu einem ganz anderen Kanal wechseln. Zumindest aber kann der Zuschauer bei der “Rundshow” auch nach der Sendung weiter mit den Machern diskutieren und einen fortlaufenden Einblick hinter die Kulissen bekommen. Das passiert aber dann “ganz klassisch” auf Facebook, Twitter und dem eigenen Blog.

Dass man unterhaltsames und intelligentes Fernsehen über das Thema Internet machen kann, das hat “Elektrischer Reporter” von Mario Sixtus eindrucksvoll bewiesen. Wie man Fernsehen mit dem Netz kombinieren kann, daran wird wohl noch eine ganze Zeit lang herumexperiment werden. Es dürfte spannend werden, zu beobachten, wie sich die “Rundshow” in der Zukunft weiter entwickelt und ob die Macher auf das bislang eher durchwachsene Feedback eingehen und das Konzept in Verlauf der geplanten vier Wochen Sendezeit noch modifizieren werden. Den Start der “Rundshow” muss man vorerst unter den Tags “gut gemeint” und “hat Potential” in den Bookmarks ablegen.

Sebastian Baumer schrieb am 21. Januar 2012 zuNews, Tools, User Generated Content

Hochgeschlossen. Ein Blick auf iBooks Author.

Das Tool sieht auf den ersten Blick wirklich außerordentlich gelungen aus – Apples neue und kostenlose Software iBooks Author tritt mit großen Ambitionen an: Jeder soll in Zukunft seine eigenen elektronischen und interaktiven Bücher in tollen Layouts und mit fantastischer Typographie ganz einfach selbst veröffentlichen können, unabhängig von den Verlagen und ihren altbackenen Strukturen. Abgesehen davon, dass man Apples dazugehörige und im selben Rahmen vorgestellte, langfristige Strategie, Schulen und Universitäten dazu zu bringen, iPads und Bücher aus dem iBookstore zu Lehrzwecken zu nutzen, nicht nur für sehr bedenklich halten kann, sondern sogar muss, gibt es auch für den Hobbyschreiber mit Eigenpublikationsambitionen gute Gründe, die Finger von Apples neuer und kostenloser Software iBooks Author zu lassen oder zumindest sehr genau zu überlegen, ob man ein so wichtiges Projekt wie ein Buch mit damit erstellen will – ich will nur drei davon nennen, die Lizenzbedingungen sind mindestens ebenso umstritten:

1.) Geräte und Versionsbindung. Wer ein Buch mit iBooks Author setzen und über den iBook-Store veröffentlichen will, sollte sich bewusst sein, dass sein komplettes denkbares Publikum eine sehr eng gefasste Gruppe von Lesern ist: Die mit dem Tool erstellen Bücher laufen lediglich auf iPads, diese müssen auch zwingend die aktuellste Software iBooks 2 installiert haben. Die erstellten Bücher mit allen Inhalten können nicht an iPhones, Android-Tablets, PCs oder Macs angesehen werden. Drastischer ausgedrückt: Das durch die Software erstellte Dateiformat (.ibooks) ist außerhalb von iBooks 2 und dem iPad nur Dateimüll.

2.) Die grottigsten Exportfunktionen, die ich in einem Apple-Programm jemals gesehen habe. Natürlich, so “großzügig” ist man dann schon in Kalifornien, darf der Autor sein Buch doch auch selbst abspeichern und könnte es dann rein theoretisch selbst vertreiben. Nur: Wer tatsächlich versucht, das Buch etwa als PDF zu exportieren (das gängige ePub oder andere Formate werden gar nicht erst als Option angeboten), der wird beim Öffnen der Datei mit einem ziemlich großen Apple-Logo inklusive Schriftzug “iBooks Author” auf jeder einzelnen Seite konfrontiert, was sich nicht abschalten lässt. Unbrauchbar. Ansonsten darf man nur den reinen Text wieder aus der Software exportieren, was schon im Ansatz keinen Sinn ergibt, da iBooks Author ein Layout-Tool und kein Schreibprogramm ist, d.h. man den Text in aller Regel nicht ursprünglich in der Software getippt hat.

3.) Abhängigkeit von der Willkür Apples. Wie auch beim App-Store gilt bei Veröffentlichungen über den iBookstore natürlich das Prinzip: Alleine Apple entscheidet, ob Dein von Dir erstelltes Buch in den iBookstore kommt oder nicht. Und bei Büchern und Texten ist das ganze Thema sicherlich noch eine Ecke heikler als bei Apps, die meist eher Werk- und Spielzeuge sind und wenig mit Meinung zu tun haben. Man will gar nicht erst anfangen, darüber nachzudenken, wie viel Prozent der Weltliteratur nicht erschienen wären, weil Apple sie aufgrund vermeintlicher Anstößigkeit niemals in ihre virtuellen Regale gelassen hätte.

Vorläufiges Fazit: Leider bestätigt Apple mit iBooks Author ein paar der schlimmeren Vorurteile gegenüber dem Konzern: Jedes damit erstellte Projekt ist fest an Software, Hardware und Vetriebswege von Apple gekoppelt und davon quasi nicht abzulösen. Persönlich kenne ich kaum eine Software aus dem Hause Apple, die die mit ihr erstellten Dateien so rigide an das eigene Ökosystem bindet. Die implementieren Pseudo-Optionen, das erstellte Produkt auch eigenhändig zu veröffentlichen (entweder das Verschicken von riesigen Dateien, die nur von iPads gelesen werden können oder PDFs mit Wasserzeichen auf jeder Seite) sind de facto keine.

Wer im Selbstverlag ein eBook veröffentlichen will, sollte sich gut überlegen, ob es ihm das wert ist – oder schlicht zu Lösungen greifen, die ihm selbst die Kontrolle über sein Werk behalten lassen: Das ebenfalls von Apple stammende Pages etwa hat natürlich keine so schicken Vorlagen, kann aber ePub exportieren und eignet sich prächtig. Wer es eine Nummer größer braucht, der greift zum Profi-Werkzeug Adobe InDesign. Von iBooks Author kann man in dieser Version jedenfalls leider nur abraten, auch wenn es auf den ersten Blick wirklich toll aussieht und Apple-Fans zu begeistern weiß.

Hinweis: Der Verfasser dieser Zeilen benutzt für Text und Design täglich iMacs, iPhones und sonstigen Apple-Kram und mag iBooks Author nicht deswegen nicht, weil es von Apple kommt, sondern weil es genau das bestätigt, was Apple-Hasser Apple immer vorwerfen.

Nicole Pingel schrieb am 25. November 2011 zu13. Stock intern, News

13. Stock meets University

Social Media und Theorie? Das passt nicht zusammen? Das wollen wir doch mal sehen!

Unter diesem Motto führt der 13. Stock seit dem Wintersemester 2011/2012 ein Recherche-Projekt in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, genauergesagt dem Studiengang Medien & Information, durch.

Dieser Studiengang ging einst aus seinem thematisch etwas angestaubten Vorläufer „Mediendokumentation“ hervor. Während einerseits Wert darauf gelegt wird, die Lehre mit möglichst aktuellen Inhalten aus der Medienbranche zu gestalten, sind die informationswissenschaftlichen Wurzeln in einigen Fächern aber noch immer zu spüren. Deutlich wird das z.B. im Fach Information Research, in dem unser gemeinsames Projekt angesiedelt ist. Hier erlernen die Studenten Recherchestrategien, die es ihnen ermöglichen sollen, sowohl das Hyper-Informationsmedium Internet, als auch klassische Datenbanken und Kataloge zu nutzen, um optimale Rechercheergebnisse zu erzielen und sie für die berufliche Praxis aufzuarbeiten.

Nachdem beispielsweise bereits die Otto Group und die Deutsche Bahn AG Recherche-Projekte in diesem Rahmen angeleitet haben, schicken nun wir zwei Studenten-Teams zu den Themen Social- und Mobile Media in der Verlags- und Medienwelt sowie Augmented Reality ins Rennen. In beiden Themen geht es vor allem um:

  • eine umfassende Status-quo-Analyse der aktuellen Konzepte und Einsatzgebiete
  • die Erstellung von Case Studies
  • das Aufstellen einer Prognose über die zukünftige Entwicklung des jeweiligen Feldes auf Basis der ermittelten Daten.

Warum haben die Studenten gerade diese Themen ausgewählt?

Anna Buga fasziniert an den Entwicklungen im Bereich Augmented Reality vor allem „wie phantasievoll diejenigen sind, die in der Entwicklung arbeiten, wie unternehmungslustig jene sind, die die Ergebnisse einsetzen lassen und wie neugierig solche sind, die es nutzen“. Kristine Krause und ihre Gruppenmitglieder interessiert an dem professionellen Einsatz von Social und Mobile Media vor allem die Aktualität und Massenwirksamkeit. Da sie täglich davon umgeben sind, empfinden sie einen großen „Selbstbezug und Vertrautheit zum Thema“. Ihre ersten Recherchen ergaben, dass allen drei Bereichen voraussichtlich nach wie vor Wachstum bevorsteht, daher können sich einige von ihnen sogar vorstellen, sich später beruflich in diesen Themengebieten zu engagieren.

Was haben die Studenten von diesem Projekt?

Schon im dritten Studiensemester erhalten sie die Möglichkeit praktisch mit Unternehmen zusammen zu arbeiten. Vor allem für diejenigen, die frisch von der Schulbank ins Studium gingen, kann das den ersten richtigen Kontakt mit der Arbeitswelt bedeuten. So erhalten sie Einblicke in ein professionelles Unternehmen und setzen sich mit Themen auseinander, die nicht nur in der Theorie sondern auch in der tatsächlichen Berufspraxis von Relevanz sind.

Und wir?

Die Studenten unterstützen uns bei dem, was im schnelllebigen Arbeitsalltag aufgrund von Zeitmangel zu häufig unter den Tisch fallen muss: Eine gewissenhafte, umfassende Recherche, in der alle relevanten Fragestellungen eines Themas beleuchtet werden können und, was noch wichtiger ist, die sinnvolle Strukturierung und Aufbereitung der gefundenen Informationen. So können wir die Ergebnisse auf vielfältige Weise verwenden.

Zurzeit befindet sich das Projekt noch in der Anfangs- und die Studenten in der Orientierungsphase. Aber wir sind schon jetzt gespannt auf die Ergebnisse, bedanken uns noch einmal auf diesem Wege bei „unseren“ Studis für die Zusammenarbeit und wünschen viel Erfolg!

Nicole Pingel schrieb am 17. März 2011 zuNews, People

Der 13. Stock sucht Praktikanten


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Wir vom 13. Stock wollen noch höher hinaus – deshalb brauchen wir Deine Hilfe!

Ab sofort sind wir auf der Suche nach zwei ehrgeizigen, dynamischen und motivierten Praktikanten.

Wenn Du einen Blick in die noch junge, freie und nach wie vor wachsende Social Media Branche werfen willst, in der es noch nicht von eingefahrenen Strukturen und Arbeitsabläufen wimmelt, sondern deren Elixier noch Ideen und Innovationen sind, dann bist Du bei uns genau richtig.

Wir bieten Dir ein Umfeld, in dem Du lernen, Dich je nach Interessenslage ausprobieren und entfalten und gleichzeitig praktische Erfahrungen in realen Projekten sammeln kannst. Dabei unterstützen wir Dich, wo es nötig wird, lassen Dir aber auch regelmäßig freie Hand.

Wir sind an Dir interessiert, wenn Du ein Kommunikationstalent bist und Dich für die veränderten Mechanismen in den Bereichen PR und Marketing interessierst, die mit den sozialen Medien einhergehen. In diesem Fall könnte unser Praktikum im Bereich Content & Community Management das Richtige für Dich sein. Die zugehörige Stellenanzeige findest Du hier (PDF).

Oder aber Du interessierst Dich mehr für die technischen Systeme und Mechanismen hinter den Vorhängen des bunten Social Media Zirkus. Dann findest du hier (PDF) unsere Stellenausschreibung für ein Praktikum im Bereich Social Media- und Web-Design.

Interesse geweckt? Dann sende Deine Bewerbungsunterlagen mit den geforderten Unterlagen an

nicole.pingel@der13stock.de

Wir sind gespannt auf Deine Bewerbung und freuen uns Dich bald kennen zu lernen.

Sebastian Baumer schrieb am 7. November 2010 zuNews, Online Trends, Social Networks, Tools, User Generated Content

Das große Ganze sehen – Ein Blick auf das Aggregationstool Storify

Die Menge verschriftlichter Meinungen zu verschiedenen Diskursen im Netz nimmt permanent zu. Und sie wird zunehmend kleinteiliger, fragmentierter und unübersichtlicher. Hatten wir es bis vor ein paar Jahren neben den Online-Angeboten klassischer Medien noch mit einer relativ überschaubaren Zahl von einflussreichen Blogs zu tun, so ist heute zusätzlich eine riesige Menge von unter anderem Microbloggern, Posterous- und Tumblr-Accounts, Facebookpages und Web-Newsdiensten zu beobachten, auf denen Menschen ihre Meinungen publizieren. Ein Überblick über die wichtigsten Linien einer Diskussion, die sich selten auf einen einzigen Ort im Netz beschränkt, wird damit zunehmend schwerer.

Zwar bieten die großen Plattformen und Tools jeweils eigene Werkzeuge an, die Informationsmenge zu katalogisieren und zu verschlagworten – so existieren neben der klassischen Suchfunktion etwa Hashtags bei Twitter, Kategorien und Channels bei YouTube und Vimeo, Gruppen bei Facebook und die Blog- bzw. News-Suche bei Google – schwierig wird es aber dann, wenn der User sich ein Bild von einem Diskurs über die Grenzen eines einzelnen Social Media-Kanals hinaus machen will.

An dieser Stelle setzt Storify an, ein neues Aggregations-Tool (momentan ist die Nutzung der geschlossenen Beta nur per Invite möglich), das die Möglichkeit bietet, eine Sammlung von Meinungen zu einem Thema zu publizieren, die aus verschiedenen, eingebetteten Bausteinen besteht, welche wiederum per Suchfunktion aus Quellen im Netz zusammengetragen werden können. So erlaubt das Werkzeug, per Baukastenprinzip und mit eigenen Kommentaren angereichert, einzelne Meldungen und Artikel im Social Web zu einem größeren Bild an einem Ort zusammenzufügen. Die Elemente sind dabei auf ihren Ursprung verlinkt und können teilweise sogar (wie etwa Tweets) direkt aus Storify heraus auf der ursprünglichen Plattform beantwortet werden. Das Tool ist damit für Medienmacher und Autoren etwa das, was Flipboard für den Konsumenten ist: Eine Möglichkeit, über Plattformen hinweg Meinungen und Artikel in einem ansehnlichen Layout und an einem Ort zusammenzuführen, und zwar über Einbettung, nicht nur über Verlinkung.

Der klassische Einsatzzweck von Storify dürften Veranstaltungen sein, wie das Startup auch in seinem Demo-Video zeigt, das die grundlegenden Funktionalitäten vorführt:

Denkt man ein bisschen weiter, kommen sofort weitere Einsatzzwecke in den Sinn: Ein beliebiges Thema innerhalb der Blogosphäre könnte mit Storify genauso übersichtlich durch die verschiedenen Blogs verfolgt und aufbereitet werden wie die besten Blumenkübel-Tweets oder die schönsten Photos von verschiedenen Hostern zu einem bestimmten Thema. Schlussendlich kann man sogar versuchen, crossmedial Diskurse mittels relevanter, unterhaltsamer und kontroverser Meinungen nachzuzeichnen – was ich in einer Miniaturversion beim ersten Test des Tools hier zur der wiederaufkochenden Google Street View-Debatte versucht habe.

Ein solcher Storify-Artikel aus kleinteiligen Elementen und Links lässt sich im Anschluss, wenn gewünscht, auch direkt in einem Blog oder auf einer Webseite wieder einbetten und ist automatisch mit den entsprechenden Buttons und Tools zum Sharen versehen, optional können außerdem die Ursprungsautoren der eingebetteten Elemente benachrichtigt werden.

Ob Storify schlussendlich wirklich ein Erfolg wird, darf indes aber noch bezweifelt werden. Das Startup verfügt erstens laut Mashable noch über kein Finanzierungskonzept und ist auf Investoren angewiesen und zweitens ist es fraglich, ob das Werkzeug aufgrund seiner (inhaltlichen, nicht bedientechnischen) Komplexität jemals genug User anziehen kann – aufwendige Recherche zu einem Thema zu betreiben, die auch noch auf verschiedenen Plattformen unter Kenntnis der jeweils relevanten Medien und User erfolgen muss, ist schlussendlich wohl nichts für den täglichen Gebrauch durch den Normaluser. Für Blogger, Twitterer und (Social) Media-affine Menschen hingegen könnte Storify ein Weg sein, nachvollziehbare Pfade durch den Dschungel der Äußerungen zu einem Thema zu schlagen und diese mit anderen zu teilen.

Wiebke Uhlenbroock schrieb am 1. August 2010 zuNews, People, Social Networks

Social Media grenzenlos: von twitternden Großmüttern und der Frage, wie alt eigentlich Facebook ist

Plötzlich und unerwartet war es sicher nicht, doch das Soziale Netz trauerte, als vergangene Woche bekannt wurde, dass Ivy Bean – im stolzen Alter von immerhin 104 Jahren – ihren letzten Tweet gesendet hatte. Die rüstige alte Dame, die im Jahr 2007 mit der Eröffnung ihres ersten Facebook Accounts (Twitter folgte ein Jahr später) der Social Media Szene beitrat, beteiligte sich bis zuletzt regelmäßig an vielen Diskussionen im Netz. Im Laufe der Jahre sammelte Ivy Bean als „IvyBean104“ fast 63.000 (darunter teilweise zumindest gefühlte z-prominente) Follower, die das Leben der betagten Britin verfolgten, ihre insgesamt weit über 1000 Tweets „retweeteten“ und Bean in der vergangenen Woche auch posthum ein „Social Denkmal“ setzten – zahlreiche Beileids-Tweets wurden verschickt und Facebook Pages gegründet, um ihrer zu gedenken.

Nicht nur das Beispiel von Ivy Bean, sondern auch aktuelle Statistiken beweisen, dass Social Media längst weit über die Teen- und Twen-Generationen hinaus reicht. Allein meine persönliche Freundesliste auf Facebook hat sich längst zu einem kunterbunten Mehr-Generationen-Verzeichnis entwickelt. Was mich zunächst verwunderte: Befreundete Kinder, Katzen und Bekannte meiner Eltern nutzen die Plattform oft sogar wesentlich häufiger und aktiver als meine Freunde aus Schul- und Unizeiten. Verrückte Welt oder schlichtweg ein weiterer Beweis dafür, dass Social Media Menschen global auch über Altersgrenzen hinaus vernetzt?

Das amerikanische Unternehmen Pingdom förderte kürzliche interessante Statistiken zutage, in denen die Altersstruktur von US-Social Networks aufgeschlüsselt und anschaulich visualisiert wurde. Ein Viertel aller User ist dabei in der Altersgruppe der 35-44 angesiedelt – das sind 7 Prozent mehr als User zwischen 25 und 34 vertreten sind. Auch die 55 bis 64-jährigen, also die Generation meiner Eltern ist mit 10 Prozent häufiger in sozialen Netzwerken vertreten als die 18 bis 24-jährigen. Überraschende Ergebnisse? Schon irgendwie, wenn man bedenkt, dass insbesondere letztere als “Generation Internet” bekannt sind.

Dabei ist Plattform nicht gleich Plattform. Schätzungen von Pingdom zufolge ist das amerikanische Netzwerk Bebo mit einem Altersdurchschnitt von 28 Jahren das Jüngste unter seines Gleichen. Der Durchschnitts-Facebooker bzw. Twitter-User ist 38 bzw. 39 Jahre alt und jene, die auf Classmates.com nach alten Klassenkameraden suchen zählen im von Pingdom ermittelten Schnitt 45 Lenze. Es scheint: Je interaktiver und unterhaltungslastiger die Plattform, desto niedriger der Altersschnitt ihrer User. Das Business-Netzwerk LinkedIn weist einen Durchschnitt von 44 Jahren auf – das sind vier Jahre weniger, als der amtierende US-Präsident Barack Obama auf dem Buckel hat und ganz sicher einpaar Jährchen mehr, als manch Hollywood-Sternchen je öffentlich eingestehen würden.

Insbesondere für Marketingexperten, die sich intensiv mit Social Media und Zielgruppenanalysen auseinandersetzen, sind die Statistiken nicht nur informativ, sondern bares Geld wert. So können Usergruppen einfacher analysiert und demografisch geclustered und Kampagnen und Informationsangebote auch im Social Web zielgruppengenau platziert werden. Und mal ehrlich, auf Facebook mit der amerikanischen Gast-Oma zu chatten ist schon irgendwie cool … ähm … „lovely“, oder?