schrieb am 1. Juni 2012 zuApps, Social Networks, Tools
Warum ich meinen Path-Account (endlich) gelöscht habe.
Erinnert sich noch jemand an Path? Es war der größte Social Media-Hype vor dem Auftauchen von Pinterest: Ein ausschließlich mobiles und als eher privat konzipiertes Social Network in App-Form. Ich habe heute meinen dortigen Account nach ein paar Monaten sporadischer Nutzung stillgelegt und die App von meinem iPhone entfernt.
Dabei war und ist Path in Sachen Technik, Optik und Bedienbarkeit über jeden Zweifel erhaben: Die kostenlose Applikation läuft absolut reibungslos und schnell, das Design ist erstklassig und in Sachen Bedienkonzept und UI (über die man einen eigenen Artikel schreiben könnte, zum Beispiel nutzt Path schon seit langer Zeit auf den Profilen zusätzliche Titelbilder und einen Zeitstrahl mit Datumsanzeige in einer Weise, die so wirken, als hätte sich Facebook vor allem dort die Inspiration für die Timelinegestaltung geholt) darf man sagen, dass Path wohl zum Besten gehört, was überhaupt für das iPhone im App-Store zu finden ist.
Und auch die Idee liest sich im Grunde wie ein großer Wurf: Maximal 200 Freunde pro Nutzer sind möglich, per extra dafür designten Buttons können neben Statusmeldungen auch verschiedene andere Mitteilungen platziert werden, ein Photoupload mit Filtern, die an die Qualität von Instagram heranreichen ist ebenfalls implementiert, sogar Videos können geteilt werden. Path ist theoretisch die beste Möglichkeit dafür, mit dem engeren Freundeskreis und der Familie Dinge aus dem eigenen Leben zu teilen, die nicht unbedingt auf Facebook und Co. gehören.

Bild: Theoretisch echt supi: Path
Warum also lösche ich diese App? Das Problem mit Path ist das Problem, das auch dafür sorgt, dass auch Google+ einfach nicht über die Schwelle kommt, es ist das Problem mit dem Huhn und dem Ei: Das Netzwerk wird derzeit und vermutlich auch mittelfristig nur von einer sehr überschaubaren Zielgruppe genutzt, in dem Fall nicht mal nur (Tech)Blogger, sondern auch der ganze Rest der Was-mit-Medien-und-mit-iPhone-in-der-Hand-Menschen und so besteht der Kontaktekreis auf Path durch Facebook- und Twitter-Integration vor allem aus denselben Leuten, die man auf den anderen Plattformen sowieso dauernd vor der Nase hat. Der Bedarf einer breiten Masse nach eine weiteren Plattform zum Teilen des eigenen Lebens ist wohl nicht vorhanden. Es könnte daran liegen, dass es mit Facebook-Messages, Facebook-Gruppen, E-Mail, SMS, Telefon, Sichtreffen und ähnlichen Dingen einfach schon mehr als zu viele Möglichkeiten gibt, um Dinge mit seinen Freunden zu “sharen” (Social Media-Sprech), ohne, dass man es in einem zusätzlichen Netzwerk verewigen muss.
Damit steckt Path in einer paradoxen Situation: Da sich der tatsächliche engere Freundeskreis nur bei den wenigsten Menschen mit den “Digital Natives”, deren Updates man überall lesen kann, überschneidet, entsteht das Problem, dass in dem auf private Updates ausgelegten Netzwerk niemand wirklich private Dinge teilt, weil großteils eher Bekannte und Kollegen mitlesen, aber auch niemand die “lustige Links”-Show spielt oder ernsthafte Anliegen und Interessen verbreitet, weil dafür einerseits das erreichbare Publikum zu klein ist und man andererseits Links nicht wirklich vernünftig über das System teilen kann, denn die wurden im Konzept von Path gar nicht mitgedacht.

Bild: Breaking News aus Path-Land.
Was dann noch übrig bleibt? Die belangloseste Soße, die man je auf einer Internetplattform gesehen hat: Statusmeldungen darüber, wann man aufgewacht oder zu Bett gegangen ist, wo man sich aufhält, Alltagsphotos (Weiterhin auf Platz Eins: Photos des eigenen Essens) und das Veröffentlichen von Teasern der Songs, die man gerade hört. Kurz gesagt: Inhaltlich ist Path genau das, was man Twitter lange Zeit vorgeworfen hat, es ist Twitter minus alle interessanten Inhalte.
Vielleicht ist Path seiner Zeit einfach voraus und in ein paar Jahren ist das Konzept eines privaten und mobilen Facebooks für einen kleinen Freundeskreis genau das, was Max und Erika Mustermann haben wollen, um ihren Clique über ihr Leben auf dem Laufenden zu halten, momentan ist das Netzwerk allerdings trotz einer neuerlichen Investorenspritze von 30 Millionen Dollar eine ziemlich bis völlig nutzlose Applikation, die kein Mensch braucht.



Ich sehe Path weniger als eigenes Netzwerk, sondern vielmehr als gut gestaltetes Interface zum Posten von Bildern, Aufenthaltsorten und Statusmeldungen an facebook, foursquare und twitter.
Allein deswegen hat Path bei mir einen festen Platz auf dem iPhone.
@Kalle: Kann man machen. Man sollte sich aber auch bewusst sein, dass Inhalte, die von Drittplattformen irgendwo eingespeist werden, viel weniger angeguckt werden. Genauso wie automatisierte Postings und alles andere, was nicht handgemacht ist.
Hmm, deckt sich überhaupt nicht mit meiner Erfahrung. Es besteht immer noch ein himmelweiter Unterschied zwischen einem Path Posting (Bild + Location + Text), welcher für meinen Freundeskreis äußerst relevant ist, und einem automatisch generierten Post à la Farmville oder Pinterest..
Klar ist ein Path-Posting relevanter als ein Farmville-Posting. Das habe ich aber auch nicht behauptet. Die Aussage unterschied zwischen automatischen Posting/Drittplattformpostings und “Handgeschriebenen”.