Sebastian Baumer schrieb am 13. April 2010 zuBusiness 2.0, Microblogging, News

Twitter, Monetarisierung und klassische Werbung

Mehr als vier Jahre hat es gedauert, bis Twitter endlich ein in harten Dollars messbares Geschäftsmodell gefunden hat: Bereits am heutigen Dienstag startet die Ad Plattform, die in Zukunft zunächst “Sponsored Tweets” über den Suchergebnissen zu jeweils passenden Keywords platzieren wird, später soll das Ganze auch im Stream auf der Hauptpage passieren und für Anwendungen wie Hootsuite verfügbar werden, so dass die bezahlten Kurznachrichten auch in diesen Applikationen erscheinen werden. Die Meldung kommt zumindest etwas überraschend, da Biz Stone noch vor weniger als einem Jahr verkündete, dass “Tools, not Ads” der beste Weg für Twitter wären, um endlich Geld zu verdienen, auch wenn er diese Aussage später zumindest abschwächte. Die Idee der bezahlten Premium Accounts mit Extra-Funktionen für zahlende User muss damit aber nicht zwangsläufig aus dem Rennen sein: Das kürzlich vorgestellte Contributors-Feature für Unternehmen etwa könnte sich in eine derartige Richtung entwickeln, auch der Kauf des zumindest bisher nicht kostenlosen Twitter-Clients Tweetie deutet an, dass Twitter auch in dieser Richtung weiterdenkt.

Zum Start der neuen Werbeform sind unter anderem Virgin America, Bravo und Starbucks unter den Unternehmen, die mit bezahlten Tweets aus dem Lärm der vielen Zwitscherer herausstechen wollen. Glaubt man dem bisher einzigen veröffentlichten Screenshot, so sind die entsprechenden Kurzmeldungen, die sich ansonsten wie ganz normale Tweets verhalten sollen, zumindest sichtbar als Werbung (“Promoted By Starbucks Coffee”) gekennzeichnet:

Die große “Multi-Billion-Dollar-Frage”, die dabei im Raum steht, stellt als einziger Mediendienst der amerikanische Social Media-Newsriese Mashable: “Will Users Click On Twitter Ads?” Eine skeptische Sichtweise auf die neuen Pläne von Twitter ist durchaus in jeder Hinsicht berechtigt, steht der Microblogging-Dienst doch wie kein anderes Unternehmen für moderne Formen des Marketings, Word Of Mouth und usergenerierten Content. Ob die im Grunde uralte Anzeigen-Methode in diesem Kontext tatsächlich funktioniert und von den Usern auch entsprechend angenommen wird, bleibt insofern tatsächlich mehr als nur ein bisschen fraglich. Starbucks jedenfalls hat auf dem eigenen Twitter-Account bereits vor dem Start des Programms mit entsprechenden Anfragen von Usern zu tun, die bei “Sponsored Tweets” eher an Spam zu denken scheinen:

Zumindest hat auch Twitter im Vorfeld einige Überlegungen dazu angestellt, wie man die User so wenig wie möglich mit sinnlosen Botschaften belästigen kann: So sollen laut basicthinking nur diejenigen Werbetweets im System bleiben, die auch entsprechende Klicks und damit Resonanz von den Usern bekommen, die weniger “hilfreichen” werden entfernt und dem Kunden nicht in Rechnung gestellt. Bleibt damit am Ende nur bezahlte Werbung übrig, die tatsächlich “nützlich” ist? Man wird abwarten müssen, wie sich die Sache entwickelt.

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